Wie die Zeit uns verändert: Stars gestern und heute

TOM HULCE im Film “Amadeus”:

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TOM HULCE heute:

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Zeffirellis Romeo LEONARD WHITING damals (1968):

Und heute:

Zeffirellis Julia OLIVIA HUSSEY damals:

Und heute:

OLIVER GRIMM als Kinderstar:

Und heute:

MICHAEL ANDE als Kinderstar:

Und heute:

DIE KLEINE CORNELIA damals:

Und heute, CORNELIA FROBOESS:

GUENTER VERDIN damals:

Und heute:

ORF-Purzelbäume: SIDO darf wieder!!!!

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Von Günter Verdin

Der ORF tut wirklich alles, um seine lahme Talente-Show “Die große Chance” im Gerede zu halten. Mit dem Schlimmsten hätten selbst die größten Nörgler nicht gerechnet: Rapper Sido, der dem Society-Spürhund Dominik Heinzl eine Watschen mit der Faust verabreicht hat , wodurch dieser -gespielt oder nicht- zu Boden sank, war vom ORF als Juror fristlos entlassen worden.

Nun die für Österreich typische knieweiche Kehrtwende. “Wir geben Sido nach intensiven Gesprächen und reiflicher Überlegung eine zweite Chance – es ist seine große, aber auch letzte”, stellte Fernsehdirektorin Kathrin Zechner in einer Mitteilung klar. Weiter heißt es in der butterweichen Erklärung der von starkem Rückgrat kaum geplagten Managerin: “Wir wollen mit dieser Entscheidung ein Beispiel geben, dass am Ende eines Streits idealerweise Aussprache und Versöhnung steht”, sagte Zechner.

Im Gegensatz zu der vorwiegend fachkundigen Jury bei den österreichischen “Dancing Stars” setzt sich das Gremium für die “Große Chance” wie folgt zusammen:

aus einem Rapper, der sein Herz für Österreich
unangenehm schleimig auf der Zunge trägt,

einer aparten Solotänzerin, die sich hauptberuflich für die Dauerpräsenz in Klatschspalten entschieden hat,

einer Sängerin aus dem volkstümlichen Bereich

und einem ehemaligen Quizonkel .

Der einzige, der wirklich etwas vom Showbiz verstand, war der urgemütliche Bernhard Paul, der Direktor des Zirkus Roncalli. Paul hat die große Chance ergriffen und sich von den Jury-Dilettanten rechtzeitig abgesetzt.

“Das unsichtbare Mädchen”: Mief im Kleinstadt-Biotop

TV KRITISCH
Der grausliche Mief im Kleintadtbiotop
Günter Verdin

Filme von Dominik Graf haben ihre eigene Handschrift: ausgetüftelte Bildausschnitte, rasante 360-Grad -Schwenks, abrupter Wechsel von der Stand-zur Handkamera, tiefporige Ganz-Nah-Aufnahmen der Protagonisten, gerne auch Polizeifunk-Geräusche als Sound-Kulisse. Beim Krimi “Das unsichtbare Mädchen” (ZDF, Montagabend) sticht ein weiteres Merkmal ins Auge: Grafs literarischer Zugang zum jeweiligen Thema. Wie er das von gegenseitigem Misstrauen und Heuchelei geprägte Kleinstadtbiotop im fränkischen Eisenstadt an der Grenze zu Tschechien hart ausleuchtet, erinnert an Theaterstücke von Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr. Der rote Strich auf dem Fußboden des Gasthauses, der die Gäste in zwei feindliche Lager teilt , ist ein rein literarisches Symbol . Die einen meinen, dass der geistig behinderte Ecco vor elf Jahren die achtjährige Sina Kolb ermordet hat, die anderen halten den Mann, der seitdem im Gefängnis sitzt, für unschuldig, zumal die Leiche des Kindes nie gefunden wurde. Die Geschichte erinnert an den realen Fall der neunjährigen Peggy im Mai 2001: ein 23 jähriger geistig behinderter Mann legte zunächst ein Geständnis ab, widerrief es aber später. Auch Peggy ist spurlos verschwunden. Ein Anwalt betreibt nun die Wiederaufnahme des Verfahrens, weil die Zeugenaussage von zwei Buben vom Gericht ignoriert worden ist: die beiden heute erwachsenen Männer bestätigen jetzt wieder, dass sie Peggy gesehen haben, wie sie in ein Auto mit tschechischen Kennzeichen stieg. Im Auto sei noch ein anderes, etwa zehnjähriges Mädchen gesessen. Diese These, die ins Milieu der Kinderprostitution verweist , verfolgt Dominik Graf mit seinem aus Berlin nach Eisentadt versetzten Ermittler Tanner, der gegen massive Widerstände der lokalen Behörden und sogar der bayerischen Staatskanzlei den Fall neu aufrollt. Ronald Zehrfeld spielt den wahren Hüter des Gesetzes mit einer körperlichen Wucht, dass am Ende nicht nur er, sondern auch der Krimi-Freund vorm TV-Gerät ziemlich mitgenommen ausschauen.

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KULTUR IST ZUMUTBAR. NICHT NUR NACHTS.

(Otto Mühl-Happening “Narungsmitteltest”; 1966)

Von Günter Verdin

Im Formatradio ist es üblich geworden, die Sendestrecken nicht mehr durch Titel , sondern durch Stundenangaben zu strukturieren. Die Botschaft: wir senden zwischen 10-11 Uhr ohnedies das Gleiche wie etwa zwischen 15-16Uhr. So weit ist das ORF-Fernsehen noch nicht. Ein Etikett wie ” Kulturmontag” ist allerdings eher für ein Arbeitspapier gedacht. Hinter dem abschreckenden Sammeltitel verbirgt sich aber ein seriöser, dennoch sehr unterhaltsamer,wenngleich stark Wien-lastiger Mix von Berichten und Interviews, der gewiss einem größeren Publikum zuzumuten wäre als den notorischen Nachtschwärmern (Sendungsbeginn: 23:10Uhr,ORF2) .

Berichte über Al Jarreau in Wien, Roland Düringer mit neuem “Vortrags”-Programm in Wien, 50 Jahre Viennale, Xenia Hauser in Klosterneuburg (nahe Wien) und die Raumnöte des Wien-Museums auf dem Karlsplatz einschließlich eines ausführlichen Interviews mit Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny dominierten, für Internationalität sorgte gleich zu Beginn ein wenig Promotion für den neuen James Bond-Film, für Überregionalität die Vorstellung des neuen Buchs “Atlas eines ängstlichen Mannes” von Christoph Ransmayr ( geboren in Wels) .

Martin Traxl moderiert kompetent und mit dem gewissen Charisma, das Kulturbegeisterung verrät. Ähnliches darf auch vom Filmemacher Virgil Widrich behauptet werden, der im Anschluss an den “Kulturmontag” bis zwei Uhr früh österreichische Avantgarde-Filme aus sechs Jahrzehnten präsentierte. Dabei fiel auf, dass die Verstörung des Zuschauers , die die Filmer provozieren, des öfteren manieristische Züge annimmt, etwa wenn als Soundtrack zum x-ten Mal das Geräusch des Vorführgeräts zu hören ist. Wie sagte Widrich: “Man sieht nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Erinnerung.” Wir haben uns an manches Otto Mühl-und Valie Export-Happening erinnert und alles neu gesehen.

THE VOICE hat DAS SUPERTALENT mit X-FACTOR

Von Günter Verdin

Müssen wir alle uns nicht ein Leben lang irgendwo vorstellen, bewerben, irgendwen von unserer speziellen Begabung und unseren Fähigkeiten überzeugen? Ist das Leben an sich also nicht eine einzige Casting-Show? Unter diesem Aspekt spiegelt das Wochenend-Programm im österreichischen und im deutschen Fernsehen durchaus das Leben wieder. In der irgendwie putzigen “Großen Chance” des ORF boxt man sich neuerdings durch und raus (Sido vs. Heinzl), gegen die große Zirkus-Show “Das Supertalent” (RTL) wirkt das österreichische Angebot allerdings wie Ringelpiez mit Anfassen.

Zwei Formate stechen in ihrem Anspruch auf Ernsthaftigkeit und Respekt im menschlichen Miteinander aus dem Angebot im öffentlichen Show-Casting heraus: “X-Factor” (VOX) und “The Voice of Germany” (Donnerstag: Pro7; Freitag:SAT1).

Bei “X-Factor” sind die Spielregeln kompliziert: es gibt vier Phasen vom Casting über das “Juryhaus” bis zu den Live-Shows , ausserdem werden die Kandidaten in vier Alters-Gruppen unterteilt. Die vier Jury-Mitglieder, darunter die nun haarmäßig erdunkelte Sarah Connor und der Xavier Naidoo-Entdecker Moses Pelham, betreuen ihre Schützlinge mit fachmenschlichem Know-How und viel Ermutigung. Der Blick hinter die Kulissen, also in die Workshops, ist interessant und zäh in einem.

Stringenter geht es bei der zur Zeit im deutschsprachigen Raum besten Casting-Show “The Voice of Germany” zu: die Kandidaten, darunter auch viele Profi-Künstler, die das Background-Singen satt haben, müssen die Juroren , die von der Bühne abgewandt sitzen, allein durch ihre Stimme überzeugen. Das gelang zum Beispiel der an Epilepsie leidenden Freaky T Tanja (35) mit dem Song “Ordinary People” von John Legend. Dass in den Casting-Shows auch Menschen mit Behinderung eine reelle Chance bekommen, ist ein weiterer Beweis, dass sie sich nicht der Realität verschließen.

Selbst der schnoddrige, ziemlich abgebrühte Dieter Bohlen ließ sich am Samstag im “Supertalent” von einem Pas de Deux eines jungen Rollstuhlfahrers mit seiner nichtbehinderten Freundin beeindrucken.

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GÜNTER VERDIN WÖRTLICH
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ORF FEUERT SIDO

DIE MELDUNG:

Der ORF beendet die Zusammenarbeit mit “Die Große Chance”-Juror Sido: Das gab der Sender nach der ersten Liveshow des Talentecastings bekannt. Sido war nach Ende der Sendung mit “Chili”-Chef Dominic Heinzl auf der Bühne aneinandergeraten. Sido sei “verbal ausfällig” geworden, “und nachdem Securities versuchten, die Situation zu bereinigen, attackierte er Dominic Heinzl mit der Faust”, so der ORF.

DNER KOMMENTAR:

Die Entscheidung ist, so unglaublich das klingt, das Beste für den Rapper. Sido hat sich für die äußerst mittelprächtige Talentshow als Juror verbogen und an die Österreicher rangeschleimt, dass es zum Erbarmen war. Da hatte sich wohl ob seiner Selbstverleugnung viel Aggression aufgestaut, die sich nun eben eher zufällig beim Society-Reporter Heinzl entlud.

Einzig, dass jetzt der geistig enorm rückwärts gewandte Briefschreiber der KRONENZEITUNG, Jeaneé, triumphieren kann, den Sido hellsichtig einmal als Haumeister bezeichnete, ist schade.

BERLIN MON AMOUR

Einst : geteilte Stadt

Heute: geteilter Blick auf Mauerreste

Fotos: Verdin

Weltrekord im Herminating

Körperkunst können nicht nur die Studenten der Everwin Matriculation School im indischen Kolathur nahe Chennai ( siehe Bildbericht im Post vom 12.10.2012; im Suchfeld Begnadete Körper eingeben ).

In Saalfelden haben 850 Schüler und Lehrer den Weltrekord im gleichzeitigen „Herminating“ aufgestellt (benannt nach dem österreichischen Ski- “Herminator” Hermann Maier.

FELIX BAUMGARTNER-völlig crazy

HARTZ IV- EMPFÄNGER SIND FAUL!?

Von Günter Verdin http://www.verdinguenter.blogspot.com

Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte für die Bundesagentur für Arbeit 1558 Menschen ab 16 Jahren über ihre Meinung zu Langzeitarbeitslosen. Bundesweit gibt es derzeit 4,5 Millionen Erwerbsfähige im Alter zwischen 15 und 65 Jahren, die Arbeitslosengeld II beziehen.

DIE LISTE DER VORURTEILE

UND DIE FAKTEN

VORURTEIL: 57% der Deutschen meinen, Hartz-IV-Empfänger seien zu wählerisch .

FAKT: 71% der Hartz-IV-Empfänger würden Arbeit annehmen, für die sie überqualifiziert sind.

VORURTEIL:55% der Befragten glauben, Hartz-IV-Empfänger hätten nichts Sinnvolles zu tun.

FAKT: 62% der Hartz-IV-Empfänger engagieren sich im gesellschaftlich relevanten Bereich.

VORURTEIL: 37% der Deutschen glauben, dass Hartz-IV-Empfänger nicht arbeiten wollen.

FAKT: Für 75% der Hartz-IV-Empfänger ist Arbeit das Wichtigste im Leben.

VORURTEL: 55% der Befragten behaupten, dass Hartz-IV-Empfänger sich nicht aktiv um Arbeit bemühen.

FAKT: 62% der Hartz-IV-Empfänger wenden sich bei der Arbeitssuche direkt an Arbeitgeber.

VORURTEIL:57% der Deutschen meinen, Hartz-IV-Empfänger seien schlecht qualifiziert.

FAKT:44% der Hartz-IV-Empfänger verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Lesen dazu auch die Reportage “ARBEITSLOS IN ÖSTERREICH” von Günter Verdin und Alexander Tomo

Wer arbeiten will, findet auch Arbeit! Wirklich?
Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Österreich 2011:

Jän 11: 8,5%

Feb 11: 8,1%

Mär 11: 6,9%

Apr 11: 6,6%

Mai 11: 6,1%

Jun 11: 5,7%

Jul 11: 5,6%
Das Glück liegt nicht auf der Straße, aber womöglich im Inseratenteil der Tageszeitungen?

Lieber Herr Andreas G.,

als führendes Modeunternehmen hat uns Ihr Interesse an einer Mitarbeit in unserem Team gefallen. Die hohe Anzahl von Bewerbungen hat uns überwältigt. Die Entscheidungen sind uns sehr schwer gefallen. Leider haben wir im Augenblick keine Möglichkeit, Sie Ihren viel versprechenden Fähigkeiten gemäß einzusetzen. Wir wünschen Ihnen für Ihre berufliche Zukunft weiterhin viel Erfolg.”

Ein Formbrief, wie ihn Andreas G. mittlerweile schon auswendig hersagen kann. Andreas G., 36, gehört zu den 318.100 Personen in Österreich, die ohne Arbeit sind. Die offizielle Zahl von 7,1 Prozent ist geschönt, tatsächlich sind in Österreich erschreckende 9 Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen.

Also steht wieder ein Besuch beim AMS, dem Arbeitsmarktservice, an: Wenn man Glück hat, wird Umschulung angeboten oder ein Sprachkurs vermittelt. Jobs sind rar. Doch, besagt der Volksmund: Wer arbeiten will, findet auch Arbeit.

Andreas G. war Altenpfleger. Mittlerweile hat er erfolgreich eine Umschulung zum Bürokaufmann mit ECDL-“Führerschein” (European Computer Driving Licence) abgeschlossen. Seit über einem Jahr schreibt Andreas G. hauptberuflich Bewerbungen. Mal forsch, mal devot, mal nach Schablone … Mit dem Erfolg freundlich unverbindlich formulierter Absagen; siehe oben.

Andreas G. nimmt sein Glück selbst in die Hand und begibt sich auf einen Nebenschauplatz des Arbeitsmarkts. Das Glück liegt nicht auf der Straße, aber womöglich im Inseratenteil der Tageszeitungen? Da wimmelt es, vor allem in den Samstagsausgaben, nur so von Stellenangeboten mit monatlichem Verdienst von 3000 Euro und mehr.

Call-Center haben hohenMitarbeiterverschleiß Die Firma T. residiert in einer noblen alten Villa in Salzburg. Die Hauptaufgabe ihrer Mitarbeiter: Betteln für einen guten Zweck (WWF – World Wide Fund For Nature – Österreich, Greenpeace, Amnesty International).

Herr G. wird zum “Schnuppern” gebeten. Die Mitarbeiter bekommen Pseudonyme, müssen Spender dazu bewegen, dass von deren Konto in periodischen Abständen – ideal: monatlich − die vereinbarten Beträge abgebucht werden dürfen. Wie man das am erfolgreichsten macht, das wird den Mitarbeiten in psychologischen Schulungen beigebracht. Viele Studenten verdienen sich hier ihr Mensa-Essen. Eine Frau kontrolliert via Bildschirm, wie die einzelnen Mitarbeiter auf ihren Plätzen arbeiten.

So, erlebt Andreas G., verläuft ein typischer Dialog:

Callcenter-Mitarbeiterin, C.: Guten Tag Herr Huber, bekommen Sie unsere Post zugeschickt?

Huber: Ja.

C.: Herr Huber, ich muss Ihnen was sagen: Es wird eine neue Walfabrik in I. gebaut. Wir brauchen dringend Geld, um dagegen etwas zu unternehmen, und wir sind sehr knapp bei Kasse.

Huber: Ja.

C.: Herr Huber, der Grund meines Anrufes ist, – ach, mir ist das schon peinlich, ich weiß, Sie spenden sehr brav (22 Euro) – aber wir brauchen dringend Geld, darf ich Sie was fragen?

Huber: Ja

C.: Herr Huber, darf ich vierteljährlich von Ihrem Konto etwas abbuchen?

Huber (überlegt etwas): Na gut.

C.: Herr Huber, jetzt bin ich einfach unverschämt: Darf ich den Betrag aufrunden?

Huber: Na gut, wie viel? O.k.: auf 25 Euro

C.: Herr Huber, Sie sind ein Schatz, ein dickes Bussi, danke.

Erfahrung aus einer Stunde “schnuppern”: Greenpeace-Anhänger sind für Spenden-Appelle weitaus mehr aufgeschlossen als Amnesty-International-“Kunden”. Hier sind die Mitarbeiter sehr frustriert und werden, wenn sie den vorgegebenen Umsatz nicht erreichen, erst einmal für einen andern Verein tätig, und schließlich “gekündigt”.

Spitzenverdienst! Auch von zu Hause! Wieder ein viel versprechendes Inserat in der Zeitung: Spitzenverdienst, auch von zu Hause aus, freie Zeit verfügbar,

Andreas G. wählt die angegebene Mobiltelefonnummer. Langes Läuten, dann schaltet sich die Mobilbox ein. 5 Minuten später ist auch schon der Rückruf da.

Inserent: Guten Tag, Sie suchen einen Job?

Andreas G.: Ja, ich hätte gerne gewusst, um welche Tätigkeit es sich handelt, und welches Anforderungsprofil gestellt wird für die leichten Büroarbeiten von zu Hause aus?

Inserent: Ja also, das Ganze läuft so ab, gehen Sie doch bitte auf meine Internetseite (es folgt eine Homepage-Adresse), dort tragen Sie Ihre Daten in die Datenmaske ein. Alles Weitere erfolgt danach.

Andreas G. öffnet nun die Internetseite und trägt Namen, Adresse, Geburtsjahr, Telefonnummer, E-Mail-Adresse ein und beantwortet auch Fragen wie folgende: Wie sind Sie auf diese Seite gekommen? und Ihr momentaner Beruf?

Nach dem Abschicken der Daten wird Andreas G. ein weiterer Link übermittelt. Nun stellt sich der Boss selbst vor und die darauf folgenden 40 Minuten gestalten sich als Gehirnwäsche. Der Boss, erfährt G., war früher ein erfolgloser Journalist, und natürlich war er mit seiner Situation sehr unzufrieden. Jetzt lebt er im Luxus, leistet sich teure Reisen, Häuser, Yachten und tolle Autos. Nun wird der smarte Boss sehr direkt und fragt: Wollen Sie das auch? Oder wollen Sie ein Leben lang in der Früh aufstehen, 8 Stunden arbeiten, und abends fertig nach Hause kommen? Jetzt ist der Mann nicht mehr zu stoppen. Nachdem Andreas G. 40 Minuten energisches Motivationstraining hinter sich hat, ohne erfahren zu haben, was er selbst in Richtung Luxusleben in Gang setzen könnte, klingelt sein Handy.

Guten Tag, sagt die Stimme, ich bin Ihr Berater, freut mich, dass Sie uns gefunden haben.

Andreas G.: Ich möchte gerne wissen, welche Büroarbeiten ich von zu Hause aus erledigen kann, wie das in dem Inserat steht.

Berater: Ja, alles der Reihe nach, Herr G., nein, wir wollen uns duzen, es ist einfach besser (ein Kind ist im Hintergrund zu hören), entschuldigen Sie, das ist mein Kind, der Kleine mischt sich immer ein.

Andras G.: Ist schon o.k. Was kannst du mir an Arbeit anbieten?

Berater: Also, Andreas, ich werde dir jetzt nochmals einen Link an deine E-Mail-Adresse senden. Öffne diesen Link bitte, das ist jetzt das Wellness-Seminar. Die ganze Angelegenheit dauert nur sieben Stunden . . . Wann hast du Zeit dafür, Andreas?

Andreas G.: Morgen???

Berater: Ja, das wäre gut, wenn du es wirklich bis morgen schaffen könntest. Wann soll ich dich wieder anrufen? Sag mir eine Uhrzeit, damit ich dich sicher erreiche.

Der neue Link bietet Zugang zu diversen Video-Sequenzen. Der Berater kann verfolgen, wie viele der Videos sich der Interessent anschaut, denn die einzelnen Sequenzen werden hintereinander heruntergeladen und müssen jeweils in voller Länge konsumiert werden. Der Boss stellt sich noch einmal vor und erzählt von den dramatischen Änderungen in seinem Leben.

Nun endlich wird auch Klartext geredet: Es geht um Wellness- Drinks und Tabletten. Nachdem die sieben Stunden währende Video-Attacke abgeschlossen ist, meldet sich sofort der Nahkampf-Berater wieder.

Andreas G. gibt sich damit aber nicht zufrieden. Er nimmt Kontakt auf mit einer Krankenschwester namens Gabi in der Steiermark. Sie erzählt ihm freimütig, dass sie zwei Mal wöchentlich als Teilzeitkraft auf einer Krebsstation arbeitet, und nebenbei für die Wellness-Firma. Von ihr erfährt Andreas G. Näheres.

Gabi: Du kaufst ein Paket mit Produkten der Firma im Wert von 150 Euro. Diese Produkte verkaufst du im Bekanntenkreis. Die Gewinnspanne beträgt 40 Euro. Oder du kaufst gleich das 1000-Euro-Paket. Dadurch hast du Zutritt in das Wellness-Center und kannst hier Werbung schalten; das kostet pro Auftritt 60 Euro.

Abnehmen: Gute Figur ist keine Voraussetzung Andreas G. ist, wie vielleicht nicht extra erwähnt werden muss, nicht mit Investitions-Kapital gesegnet, und deshalb von den Vorzügen solcher Home-Shopping-Aktionen, bei denen vor allem die Bosse und Berater verdienen, nicht recht überzeugt und wendet sich anderen interessanten Angeboten zu. Die Anzeige im Stellenmarkt ist verheißungsvoll: Es geht um ein neues Programm zum Abnehmen. Eine Firma, die sich als Akademie bezeichnet, “sucht Gruppenleiter/-innen für Gruppen-Beratung bei Gewichtsreduktion (gute Figur keine Voraussetzung). Starten Sie mit. Sie sind kontaktfreudig und interessieren sich für gesunde Ernährung, haben ein gepflegtes freundliches Auftreten. Info durch Herrn Z”.

Same procedure: Andreas G. ruft den Berater Z. an und hinterlässt wie gewünscht eine Nachricht auf der Mobilbox. Der Rückruf erfolgt nach etwa zwei Stunden. Zehn Minuten plaudert Herr Z. nun aus dem Nähkästchen (oder sollte man sagen: aus dem Kühlschrank?) der Gewichtsreduktion. Andreas G. erfährt Spannendes über gesättigte Fettsäuren und Omega-Fettsäuren, was ihn selbst allerdings nicht satt macht. Herr Z. redet längere Zeit um den heißen Brei herum. Herr Z. selbst arbeitet, so erfährt Andreas G., nun hauptberuflich als Ernährungsberater. Seine Partnervermittlung habe er nach einem schweren Autounfall im Vorjahr aufgeben müssen. Schlimmes Schicksal, findet Andreas G., aber auch wissenswert: Was kann Herr Z. zum Thema Geldverdienen Interessantes vermelden? Mittlerweile sind gute zwanzig Minuten verstrichen, und nun rät Herr Z. dem arbeitswilligen Herrn G. doch ein Tages-Seminar über gesunde Ernährung zu besuchen. Eine Dame aus Hamburg mit 30-jähriger Erfahrung reist diesbezüglich an, und das soll Herrn G. nur 95 Euro kosten. Tatsächlich handelt es sich um ein 3-Tage-Seminar zum Preis von 285 Euro, und die Dame rät im Wesentlichen, weniger Kalorien zu essen und mehr Kalorien zu verbrauchen, möglicherweise durch – wörtlich − folgende “nützliche Tipps: Ring drehen, Atmen vor dem Essen”.

Andreas G., selbst sehr schlank, verdünnisiert sich.

Aufstiegschancen bis ins Management! Besonders heftig wirbt die Firma XY um die arbeitslose Klientel. In einer der vielen Anzeigen mit wechselnden Texten heißt es: “Außergewöhnliche Leute starten bei uns als Büromitarbeiter/-in. Wenn Sie gerne dazulernen, sind Sie bei uns willkommen! Neben optimalen Arbeitszeiten und attraktivem Gehalt bieten wir die Sicherheit und Sozialleistungen eines Großunternehmens sowie beste Aus- und Weiterbildung (auch für Leute ohne Ausbildung) mit Aufstiegschancen bis ins Management!”

Welche Aufstiegschancen darf sich da Andreas G. mit seiner profunden Ausbildung wohl ausrechnen! Er wählt die angegebene Telefonnummer und wird mit der Empfangsdame verbunden.

Bei der Firma XY dreht sich alles um den Haushalt. Die Mitarbeiter, die sich von den großartigen Aufstiegschancen blenden lassen, landen allesamt in einem Call-Center. Die ehrgeizige Aufgabe besteht darin, Menschen am Telefon zu belästigen und sie zu einer Verkaufsveranstaltung in ein Gasthaus einzuladen. Ein Call-Center-Mitarbeiter berichtet, dass von 30 Anrufen höchstens zwei von Erfolg gekrönt sind.

Andreas G. ist schon mehrere Male auf die Tarn-Inserate der Firma XY hereingefallen. Einmal sucht die Firma XY Büromitarbeiter, dann wieder Außendienstmitarbeiter. Alle Interessenten landen aber im Call-Center; mit dem Spitzenverdienst schaut es mager aus: Die Mitarbeiter sind erfolgsbeteiligt.

Höhepunkt der Arbeitssuche: Ein Firmenchef, der von Andreas G. mit der Frage belästigt wird, um welche Arbeit es sich handle, wirft ihn kurzerhand mit den Worten hinaus: “Sie sind arbeitslos! Sie haben gar nichts zu fragen!”

Und so gibt es viele “Bauernfänger”, die mit dem Schicksal und den Hoffnungen arbeitsloser Menschen bedenkenlos spekulieren. Arbeits-Los in Österreich…

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