#München kotzt- Ein #Prosit auf die Gemütlichkeit

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Ein Blog weckt richtig Freude auf das Oktoberfest: münchenkotzt.de

Er zeigt lustige Menschen in Dirndl und Lederhosen in ihren kreatürlichsten Momenten der Entäusserung in jeder Form. Und am Freitag beginnt die Sauferei auf dem Cannstatter Wasen….

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Entwurf zu einem #Kaffeehaus-Roman

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(Foto: Helmut Bertl)

Beginn: eine Schale duftenden Kaffees. Ein unbeschreiblicher Duft. Das erspart eine Menge Arbeit.

Oder: ein immens fescher junger, sehr braungebrannter blonder Kellner flirtet mit einer in aller Unschuld dem ersten Mal entgegenfiebernden brünetten, rehäugigen Amerikanerin: er schüttet ihr den Kaffee über die Jeans, wodurch die aufgekeimte heiße Liebe etwas durchaus Abgebrühtes erfährt.

Spätestens jetzt: Ortsbeschreibung. Authentischer Jugendstil, Arkaden und Lichthof im venezianischen Palais, oder die beschwingte Inselhaftigkeit einer Salzach-Terrrasse. Viel Architektur, auch dort, wo die Architektur an der Zeit nagt.
Man sitzt auf Thonet-Kopien (Spannung beschreiben zwischen Nachgemachtem, einer jungen Frau, die sich ungeniert frisch macht, und einem frischgemachten Apfelstrudel).

Und nun die Menschen: einer, der nur tut, und einer, der nie durchhält, und einer, der nicht mehr kann, tauschen Erfahrungen aus.
Moosbrugger sitzt im Kaffeehaus, stürzt einen schwarzen Kaffee und drei Kognaks hinunter und liest auf Seite 73 bei Musil nach, wie er eine Mordswut bekommt.

Anderes Bild: an den Tischen sitzen Zeitungen. Die Zeitungen sind auseinandergefaltet, Hände hinterlassen ihre Abdrücke am Papierrand. Lautlos werden die Zeitungen weitergegeben. Die gelesenen Nachrichten fallen buchstäblich zu Boden, in den Zeitungen sind Stellen frei. Jeder hält die anderen für Müßiggänger oder Arbeitslose.

Plötzlich ein scharfes Geräusch: Papier wird zerrissen. Hinter den Zeitungen tauchen Köpfe auf, empört wackelnd. Ein seltsamer Mann hat eine Seite aus einer Zeitung herausgerissen. Es ist sein Artikel. Und seine Zeitung. Der Mann steht auf und zahlt. Das Köpfewackeln wird langsamer, der Zeitungsvorhang zieht sich wieder zu.

Anderes Bild: eine Touristengruppe durchschneidet, mit Lärm aus einer anderen Welt , die Summe der Geräusche aus Human- und Materialklang, das Summen also. Bestellungen werden durch die träge Luft gewirbelt, direkt aus dem Fremdwörterbuch abgelesen: der fesche junge Kellner spricht Wiener Dialekt mit englischer Aussprache. Er blickt einer runden Vierzigjährigen tief in die Augen, die wissen möchte, was ein Palat-Schinken ist. Ham and eggs, übersetzt er, without eggs, aber sweet. Die Vierzigjährige entscheidet sich für den Reiseleiter, der dem Kellner zuzwinkert. Dieser gibt die Stafette an die artig verkleidete Küchenmamsell weiter, die Torten und Strudel, darin schon aufgeregte Zeigefinger stecken, an die dazugehörigen Hände verteilt und gleich kassiert. In einem Glas Wasser spiegelt sich Ratlosigkeit. Diesen Satz herausarbeiten: im Wein liegt die Wahrheit, im Kaffee das Klischee.

Schlussbild: vor den großen Auslagenfenstern des Kaffeehauses auf der Straße seht ein Pantomime mit weißgeschminktem Gesicht und stellt Schaufensterpuppen dar…

Guten Morgen!

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Ich will nicht sagen, dass ich viel Kaffee trinke, aber kolumbianische Bauern haben ein Foto von mir im Portemonnaie

getwittert von @hf_sports

#Joko_und_Klaas schwachsinnieren für die #Quote: #TV für#Mallorca-Urlauber

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Nur selten stellen sie auch mal was Sinnvolles an, wie hier für die Aktion gegen Homophobie. Dieser Kuss bedeutet aber alles andere als ein Happy-End…

Von Günter Verdin

Dass die Spätpubertierenden Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheid bei der Zielgruppe der Mallorca-Reisenden so blendend ankommen, ist nicht weiter verwunderlich: hirnlose Wettbewerbe, die zum Teil auch noch gefaked sind ( wie die Hai-Attacken auf den Bahamas, die jeder Tourist nachspielen kann), geben zauberhafte Anregung für die Zeit zwischen den Alkohol-Exzessen. Toll, wie wir soeben erfahren, verlor Joko vor einem Halo Jump aus 12 km Höhe wegen Sauerstoffmangel sogar das Bewusstsein. Hatte er denn eines? Oder ist diese Extrem-Belästigung durch Circus Halligalli-Späße und Joko-contra-Klaas-Nonsens-Mutproben nicht das Endstadium von Bewusstlosigkeit, mit der nicht nur die Pro7- Programmmacher beste Quoten verzeichnen können? Natürlich muss man sich diese brothers of destruction nicht antun, würde ihr Exhibitionismus nicht von einem Teil des sich anbiedernden Feuilletons und sogar von Grimme-Preisverleihern, die auch das RTL-Dschungelcamp für auszeichnungswürdig halten, als das Nonplusultra zeitgemäßer TV-Unterhaltung empfohlen. Die Herrschaften gehen ja sogar “Promi Big Brother” auf den Leim – traurigste Selbstentblössung erbarmungswürdiger Gestalten – , nur weil der Schrott mit dem Label “Das Experiment” versehen wurde. In diesen schrecklichen Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzungen allerorten gönnt man den Zusehern, denen schon vorher das Denken abhanden gekommen ist, das bisschen Entspannung, das Ausscheren in die Fiktionalität der Dummdreistigkeit.

Traurig stimmt nur, dass sympathische Formate wie etwa “Rising Star” oder “The Voice of Germany” abstinken. In beiden Casting-Shows geht es, mit unterschiedlichen Spielregeln, um Kreativität und Talent , um gute Popmusik und junge und ältere ernstzunehmende Talente, von denen es in Deutschland offenbar so viel gibt, dass sich nicht alle , wie in Zukunft bei DSDS, dem Jury-Gequatsche eines Dieter Bohlen plus irgendeiner Sexbombe plus der singenden Sonnenbrille Heino stellen wollen.

Das lese ich gerade im Kress-Report , der wie immer ziemlich unkritisch nur der Quote huldigt:

“1,55 Mio 14-49-Jährige Zuschauer sahen am Samstagabend das über dreistündige ProSieben-Spektakel “Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt”. Das bedeutete einen Marktanteil von 19,1%. So einen hohen Wert hatte das Format bislang noch nie geschafft. Insgesamt verfolgten 1,98 Mio Zuschauer (8,7% Marktanteil – ebenfalls ein Rekord), wie Klaas sich am Ende gegen Joko durchsetzte.”

Am Ende des vom Kress-Report so verherrlichten “wahnwitzigen Duells” hat in Wirklichkeit keiner von beiden gesiegt. Und ihr Gesicht hatten sie schon vor diesem jüngsten Streich verloren…

Der nackte #Hamlet: #Samuel_Weiss geht mit mir ein Schnitzel essen

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Von Günter Verdin

Hamlet sitzt im sonnigen Gastgarten des „Schützenwirt“ und speist ein Wiener Schnitzel. Die Frage nach Sein oder Nichtsein scheint sich hier auf der paradiesischen Anhöhe von St. Jakob am Thurn zu erübrigen, obwohl sich Samuel Weiss, der von der Kritik gleichermaßen verrissene wie hochgelobte, vom Publikum gefeierte „Hamlet“-Darsteller in der Inszenierung von Martin Kusej (als Ko-Produktion der Salzburger Festspiele mit dem Schauspiel Stuttgart), selbst als manisch depressiv mit stärker werdenden Schüben bezeichnet. Jedenfalls eine ideale Disposition, um sich der vergrübelten Figur des Dänenprinzen zu nähern.

„Peymann wusste gar nicht, wer ich bin“

Sein Bühnen-Debüt feierte der gebürtige Schweizer und Absolvent des Wiener Reinhardt-Seminars übrigens am Burgtheater: „Ich habe als Eleve bei einer Produktion von Manfred Karge mitgespielt. Peymann hat meinen Vertrag nur unterschrieben, der wusste gar nicht, wer ich bin. Ich habe ihn einmal in der Direktion getroffen. Er hat mich gefragt: Wer sind Sie? Was wollen Sie hier? Und da musste ich ihm sagen, dass er mich engagiert hat.
Mir war klar, dass ich am Burgtheater nicht alt werden würde.“

Danach Tübingen, Landestheater, Start mit Sosias im Kleistschen „Amphytrion“, eigentlich eine Rolle für einen Charakterkomiker: „Ich liebe Sachen, wo ich komisch sein darf. Aber in letzter Zeit kommen immer nur so Hammer-Tragödien auf mich zu.“

Wie zum Beispiel der wahnsinnige Doktor, der die Welt mit obskuren Mitteln heilen möchte, in Sarah Kanes „Gesäubert“ in Stuttgart, unter der Regie von Kusej. Das war sozusagen der Vorläufer zu Hamlet. Irgendwann hat Weiss dann erfahren, dass er Hamlet in Salzburg spielt:

„Ich weiß nicht mehr, wann. Aber so rechtzeitig, dass ich noch Text lernen konnte. Es muss relativ früh gewesen sein, denn ich bin sehr langsam beim Textlernen.“

Angst vor Hängern? „Die Figuren, wie ich sie spiele, haben ohnedies meist einen Zacken in der Krone. Da wirkt es relativ natürlich, wenn sie stottern oder nicht weiter wissen. Aber unlängst hatte ich einen Aussetzer im Monolog um Sein oder Nichtsein. Das hat mich maßlos geärgert. Ich stehe da ganz allein auf der Bühne, rund um mich ist das blanke Nichts. In solchen Fällen heißt es ruhig weiteratmen und warten, warten – und dann kommt auch der Text wieder, wie ein Geschenk:“

Samuel Weiss ist meines Wissens der erste Hamlet der Theatergeschichte, der die seelische Selbstentblößung auf die Spitze der körperlichen Nacktheit treibt. Weiss: “Es ist ja nicht das erste Mal, das ich nackt auf der Bühne stehe. Wenn es mir dramaturgisch notwendig erscheint, dann ist Nacktheit für mich so alltäglich wie – eine Tasse Kaffee trinken. Aber ich glaube, ich habe das unterschätzt, dass in Salzburg ehemalige und amtierende Bundespräsidenten, Manager und Showmaster im Publikum sitzen. Die Reaktionen sind zum Teil schon heftig.“

Wie fühlt man sich eigentlich als Künstler bei den Salzburger Festspielen? „Ich war nicht bei der Eröffnung. Aber ich habe die Rede von Bundespräsident Klestil gelesen, dass Salzburg die Schule Europas sein soll, gleichzeitig wurde dann Frau Jelinek vereinnahmt, das fand ich dann schon bedenklich. Schön, dass Salzburg so eine kleine Stadt ist und so viele Menschen „Hamlet“ gesehen haben. Man wird auf der Straße angesprochen, das passiert einem in Stuttgart nie! Na gut, ich bin ja ein relativer Nobody, ich gebe da und dort ein Autogramm. Das hat noch nicht Ausmaße erreicht, dass ich mich belästigt fühlen könnte.“

In New York dominieren zur Zeit Dramen die Bühne, die sich mit naturwissenschaftlichen Themen auseinandersetzen. Wohin geht im deutschsprachigen Theater der Trend?

„Das ist doch ein Zufall, dass das Theater hierzulande zum Siegelverwahrer für klassische Brocken geworden ist. Das hängt damit zusammen, dass Leute, die wirklich schreiben können, keine Lust auf Dramen haben, weil das Theater eine gesellschaftliche Randerscheinung ist. Die schreiben lieber für Film und Fernsehen, oder einen Roman. Das Theater behandelt seit 2000 Jahren das Thema Familie. Und da die Familie gesellschaftlichem Wandel unterworfen ist, kann man da auch immer wieder neue Stücke darüber schreiben. Für mich jedenfalls ist das das zentrale Thema.“

Apropos Familie: Gibt es ein Leben nach dem Theater? Samuel Weiss, ganz privat: „Die beste Entspannung für mich ist, wenn ich mit meiner kleinen Tochter im Kinderzimmer Kasperle spiele. Gut, das ist wieder eine Form von Theater, aber – ein sehr kleines exquisites Publikum!“

Übrigens: Vor einiger Zeit stand in einer Zeitung, dass Depressionen eine gesunde Reaktion sein können, die verhindert, dass man sich selbst überfordert. Samuel Weiss: „Das habe ich auch gelesen. Seither geht es mir schlagartig besser.“

(Das Gespräch fand im August 2000 statt)

Fremd zieh ich wieder aus: der#Schauspieler #Jens_Harzer

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Das ist aber ein lieber Junge, der da auf die Bühne des ehemaligen Salzburger Stadtkinos schlurft! Sehr höflich, stets sehr freundlich lächelnd, immer ein (gutes?) Buch zur Hand. Der wortlosen Eiseskälte in der Familie seiner Freundin setzt er seine eigene Coolness entgegen. “Der Name” heißt das Stück von dem Norweger Jon Fosse, das am 6. August 2000 als Ko-Produktion der Salzburger Festspiele mit der Berliner „Schaubühne am Lehniner Platz“ unter der Regie von Thomas Ostermeier in deutscher Übersetzung uraufgeführt wurde.

Schuberts “Winterreise“ habe er sich während der Rollenarbeit immer wieder angehört, sagt der junge Schauspieler Jens Harzer. „Warum lächelt der junge Mann? Selbstschutz, Scheu, Angst…womöglich auch eine Verachtung der Familie gegenüber, die er in Höflichkeit bündelt. Das Fremdsein drückt sich im Körper anders aus als im Gesicht, der Körper will weg, und man sitzt doch in der Gegend herum. Im Laufe des Stücks verändert sich die Figur aber, sein Gesicht wird immer verschlossener. Als einziger zieht er die Konsequenz, er verlässt das Haus als Fremder.“

Abgründe der Seele: immerhin ist die Freundin schwanger, der junge Mann entzieht sich der Verantwortung, ist ebenso wenig wie die Familienmitglieder in der Lage, sich zu artikulieren. Das Herz : die Mördergrube lauter toter Gefühle. Wie Harzer das spielt, lauert der Schrecken der Wortlosigkeit, der Sprachverweigerung in allen Ecken……

Das ist aber ein lieber Junge, der da neben einem im Salzburger Cafe „Tomaselli“ sitzt, ein bisschen schlaksig, mit unendlich traurigen braunen Augen und einem schmalen, blassen ernsten Gesicht. So einer weckt sämtliche Mutter- und Vatergefühle, die in der Umgebung abrufbar sind.

So muss es auch Jörg Hube ergangen sein, als er Jens Harzer bei der Aufnahmeprüfung für die Münchner Falckenberg-Schule „durchboxte“. Davor war Harzer bereits von der Folkwangschule in Essen abgelehnt worden. Heute hat er sogar Verständnis dafür: „Das sind doch immer ganz subjektive Wahrnehmungen der Prüfer, wenn man da als 18jähriger anrückt und etwas vorspielt. Ich würde da niemandem einen Vorwurf machen. Man kommt aus einem kindlichen Nichts, und da gucken Leute zu, die müssen dann sagen, ob das gut oder spannend ist. Das gehört wohl dazu, dass Leute, die etwas können, zuerst abgelehnt werden, oder erst später, oder auch nie entdeckt werden, oder manche sofort, die vielleicht nach drei Jahren Schule völlig geheimnisvoll sind. Als ich von Essen nach Hause gefahren bin, habe ich so etwas wie Scham empfunden: die Scheu wächst durch Ablehnung.“

Wird man da nicht zum großen Philosophen, wenn man am eigenen Leib erfährt, dass ein einziger Mensch, in diesem Fall Jörg Hube, die Weichen für die Zukunft stellen kann?

Harzer: „Das hat sich mir von Anfang an dargestellt, wie sehr dieser Beruf vom Glück abhängig ist. Nach bestandener Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule gibt es ein halbes Probejahr, dann findet wieder eine Prüfung statt, die über die Möglichkeit des Weiterstudiums entscheidet. Drei Wochen vor dieser Prüfung sagte ein Lehrer zu mir, dass ich ein sehr schmales Talent hätte. Ich habe gelacht und frech gesagt: ,Aber wenigstens Talent, oder ?’ Gleich nach der Prüfung machte Christian Stückl seine zweite Inszenierung an den Münchner Kammerspielen: ,Viel Lärm um Nichts’ und holte mich für eine kleine Rolle.“

Mittlerweile zählt Harzer zu den jungen Stars der „Kammerspiele“, hat mit Regiestars wie Dieter Dorn, Herber Achternbusch, Peter Zadek oder jetzt, in Salzburg , mit Thomas Ostermeier gearbeitet. Er hat den Urfaust und den Tasso gespielt.

Welche Eigenschaften sollte ein Regisseur haben, dem sich Harzer gerne anvertraut?

„Ganz utopisch formuliert, ist es der Zauber, der von einer Arbeit ausgeht, von der gemeinsamen Beschäftigung mit dem Stück, die womöglich dann zur Verführung wird, in welcher Handschrift auch immer. Voraussetzung ist der gemeinsame Traum von einer Arbeit. Man folgt ja auch gerne Gedanken, die man selber noch nicht gehabt hat.“

Obwohl die „Kammerspiele“ die künstlerische Heimat von Harzer war, hat er auch neugierig – und mit von Kritik und Festspiel-Publikum hochgewürdigtem und respektiertem Ergebnis – als Gast mit den „Schaubühnen“- Leuten zusammengearbeitet. Braucht Harzer das familiäre Umfeld eines gewachsenen Ensembles für die künstlerische Arbeit? „Ich habe das bisher jedenfalls geglaubt. Hier in Salzburg war ich sozusagen zum ersten Mal in der Fremde. Es war nicht einfach. Gerade, wenn man wie ich literarisches Theater machen möchte, das Stück und den Dichter ernst nimmt, wenn man an die Macht des Wortes und die Macht der Literatur glaubt, dann wächst der Wunsch, dem Stück und der Welt seines Dichters etwas abzutrotzen, ihr nahezukommen, einen eigenen Keil reinzuschlagen oder sich vollkommen verwandeln zu lassen. Das bedeutet nicht, das ich grundsätzlich etwas ausschließe, etwa die Fragmentierung von Stücken. Aber nehmen wir zum Beispiel Kleist: den braucht man doch nicht zu zertrümmern, der zeigt uns doch die Verhackstückung unserer Seelen. Je tiefer man in ein Material hineinschaut, desto mehr zeigt es seine Kehrseiten, die verschlossenen Seiten, desto mehr zeigt es auch, wie fremd es bleibt: das sollte man auch zum Thema seiner Vorstellung machen.“

Irgendwann hat der junge Schauspieler in einem Interview den Vorsatz formuliert, im Privatleben das Dramatische möglichst ausschließen zu wollen. Ist das bisher gelungen? „Das hab ich zu einer Zeit gesagt, wo ich in München sieben Rollen auf einmal spielte. Ich wollte damit ausdrücken, dass ich zwar nicht konfliktscheu bin, aber im Privaten, zum Beispiel mit meiner Freundin, auf dramatische Spannung verzichten kann. Jetzt, drei Jahre nach diesem Satz, würde ich das nicht mehr so formulieren! Es ist dann doch zu viel passiert.“

Anmerkung:

Das Gespräch fand im August 2000 statt. Seit 2009 ist Harzer festes Mitglied des Ensembles am Thalia Theater in Hamburg. 2011 wurde Harzer für seine Darstellung des Marquis Posa in der Hamburger Inszenierung von Don Karlos erneut als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet. 2012 sprach er den Stephen Dedalus im Hörspiel “Ulysses” nach James Joyce, dem mit einer Laufzeit von mehr als 22 Stunden bis dahin längsten Hörspiel des SWR und einer der aufwändigsten Hörspielproduktionen der ARD. Harzer wurde auf der Frühjahrs-Mitgliederversammlung der Akademie der Künste Berlin am 25. Mai 2013 als neues Mitglied in die Sektion Darstellende Kunst gewählt. (Quelle: Wikipedia)

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