Entwurf zu einem #Kaffeehaus-Roman

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(Foto: Helmut Bertl)

Beginn: eine Schale duftenden Kaffees. Ein unbeschreiblicher Duft. Das erspart eine Menge Arbeit.

Oder: ein immens fescher junger, sehr braungebrannter blonder Kellner flirtet mit einer in aller Unschuld dem ersten Mal entgegenfiebernden brünetten, rehäugigen Amerikanerin: er schüttet ihr den Kaffee über die Jeans, wodurch die aufgekeimte heiße Liebe etwas durchaus Abgebrühtes erfährt.

Spätestens jetzt: Ortsbeschreibung. Authentischer Jugendstil, Arkaden und Lichthof im venezianischen Palais, oder die beschwingte Inselhaftigkeit einer Salzach-Terrrasse. Viel Architektur, auch dort, wo die Architektur an der Zeit nagt.
Man sitzt auf Thonet-Kopien (Spannung beschreiben zwischen Nachgemachtem, einer jungen Frau, die sich ungeniert frisch macht, und einem frischgemachten Apfelstrudel).

Und nun die Menschen: einer, der nur tut, und einer, der nie durchhält, und einer, der nicht mehr kann, tauschen Erfahrungen aus.
Moosbrugger sitzt im Kaffeehaus, stürzt einen schwarzen Kaffee und drei Kognaks hinunter und liest auf Seite 73 bei Musil nach, wie er eine Mordswut bekommt.

Anderes Bild: an den Tischen sitzen Zeitungen. Die Zeitungen sind auseinandergefaltet, Hände hinterlassen ihre Abdrücke am Papierrand. Lautlos werden die Zeitungen weitergegeben. Die gelesenen Nachrichten fallen buchstäblich zu Boden, in den Zeitungen sind Stellen frei. Jeder hält die anderen für Müßiggänger oder Arbeitslose.

Plötzlich ein scharfes Geräusch: Papier wird zerrissen. Hinter den Zeitungen tauchen Köpfe auf, empört wackelnd. Ein seltsamer Mann hat eine Seite aus einer Zeitung herausgerissen. Es ist sein Artikel. Und seine Zeitung. Der Mann steht auf und zahlt. Das Köpfewackeln wird langsamer, der Zeitungsvorhang zieht sich wieder zu.

Anderes Bild: eine Touristengruppe durchschneidet, mit Lärm aus einer anderen Welt , die Summe der Geräusche aus Human- und Materialklang, das Summen also. Bestellungen werden durch die träge Luft gewirbelt, direkt aus dem Fremdwörterbuch abgelesen: der fesche junge Kellner spricht Wiener Dialekt mit englischer Aussprache. Er blickt einer runden Vierzigjährigen tief in die Augen, die wissen möchte, was ein Palat-Schinken ist. Ham and eggs, übersetzt er, without eggs, aber sweet. Die Vierzigjährige entscheidet sich für den Reiseleiter, der dem Kellner zuzwinkert. Dieser gibt die Stafette an die artig verkleidete Küchenmamsell weiter, die Torten und Strudel, darin schon aufgeregte Zeigefinger stecken, an die dazugehörigen Hände verteilt und gleich kassiert. In einem Glas Wasser spiegelt sich Ratlosigkeit. Diesen Satz herausarbeiten: im Wein liegt die Wahrheit, im Kaffee das Klischee.

Schlussbild: vor den großen Auslagenfenstern des Kaffeehauses auf der Straße seht ein Pantomime mit weißgeschminktem Gesicht und stellt Schaufensterpuppen dar…

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