WIE WOLLEN SIE IHREN LATTE ?

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Der Künstler nennt das luftige Gebilde ” Gravity”.

Das ist wohl die flüchtigste aller Künste: Baristart. Michel Breech beherrscht die Kunst aus Milchschaum Gesichter und Motive zu formen, perfekt.

Er war schon immer ein Sahnehäubchen: Leonardo Di Caprio

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REISENDE, DIE NIEMALS ANKOMMEN

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Anlässlich des Status als Europäische Kulturhauptstadt 2013 hat der französische Künstler Bruno Catalano zehn lebensgroße Figuren aus Bronze am Hafen von Marseille verteilt. Er nennt die Kunstaktion “Travellers”.

Die Figuren wirken, als wären sie noch nicht ganz angekommen, oder schon wieder halb abgereist.

Dabei hat das Reisemotiv natürlich auch einen ganz praktischen Hintergrund – das Gepäckstück dient als Bindeglied zwischen Rumpf und Beinen…

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DIE KUNST DER NANCY FOUTS: NICHTS IST WIE ES SCHEINT

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Kaninchen mit Lockenwicklern

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Purse with Teeth (2010)

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Resurrection?

DIE KÜNSTLERIN

Nancy Fouts ist Amerikanerin, lebt aber seit 40 Jahren in London. In den 1960er Jahren war sie Mitbegründerin der Design-Company SHIRT SLEEVE STUDIO und entwarf Plattencover u.a. für JETHRO TULL und STEELEYE SPAN.

Fouts über ihren surrealistischen Umgang mit Alltags-Gegenständen und religiösen Ikonen:

“My work is not a comment on religion, nature or indeed anything, it is all about manipulating the object to realise my idea. Everything starts with the idea.”

BANANEN IN DER KUNST

BANANE

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Weihnachtsbaum für Affen

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Cover für “Velvet Underground”-LP , von Andy Warhol…

…und das von Warhol inspirierte Bananen-Graffitti von MARTA GROSSI

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Weitere Bespiele der vergänglichen Kunst der MARTA GROSSI ( die Bananen werden anderntags zum Frühstück verspeist):

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MARTA GROSSI:

Every banana has a simple and unique canvas,

and every banana is different.

This is an open experiment based

on a very cheap and ordinary support.

I customize my banana during the night.

I have my banana for breakfast the day after.

This is a temporary space and love to prove

that inspiration is everywhere.

Warum die Banane auf Künstler besonders inspirierend wirkt, hat vermutlich einen einzigen Grund: ihr phallischer Charakter. Gut, so deutlich hätte der Beweis auch nicht ausfallen müssen:

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Weitere Beispiele von BANANENKUNST:

THOMAS BAUMGÄRTEL, als Bananensprayer in Deutschland berühmt und berüchtigt

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Mel Ramos. “Chiquita Banana”

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BANANEN IN DER HÄNGEMATTE. Das Gemälde stammt vom russischen Surrealisten VLADIMIR KUSH (geb.m1965), der nach seiner Emigration in die USA Galerien in Maui (Hawai),Laguna Beach (Kalifornien) und Las Vegas (Nevada) eröffnete. 2011 gewann KUSH den ersten Preis der Painting at the Artistes du Monde international exhibition in Cannes.

BANANE satirisch

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Banane in der Revue: Josephine Baker im legendären Bananenkostüm

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DIE SPINNEN, DIE SPINNEN: Im Netz von Tomás Saraceno

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Tomás Saraceno – in orbit, Installationsansicht K21 Ständehaus, Photography by Studio Tomás Saraceno © 2013

Tomás Saraceno – in orbit
Ab 22.06.2013 bis Herbst 2014
K21 STÄNDEHAUS der Kunstsammlung NRW

Information des Museums:

“Über der Piazza des K21 schwebt in mehr als 25 Meter Höhe die riesige Rauminstallation in orbit des Künstlers Tomás Saraceno. Es ist eine Konstruktion aus Stahlnetzen, die in drei Ebenen unter der gewaltigen Glaskuppel aufgespannt ist. Innerhalb der insgesamt 2.500 Quadratmeter umfassenden Netzstruktur sind ein halbes Dutzend “Sphären”, luftgefüllte Kugeln von bis zu 8,50 Metern Durchmesser, platziert. Besucher können die transparente Installation betreten und sich auf den drei Ebenen zwischen den Kugeln frei bewegen.(…)

in orbit wurde von Saraceno in den vergangenen drei Jahren mit Ingenieuren, Architekten und Biologen geplant und ist die bisher aufwändigste Installation des Künstlers. Auch wenn die Netzkonstruktion allein 3 Tonnen und die größte der “Sphären” 300 Kilo wiegt, wirkt das präzise in die räumlichen Bedingungen des Ständehauses eingepasste Werk ausgesprochen leicht und bezieht sich in Feinheit und Stabilität auf die Struktur von Spinnennetzen. ”

Selten sind sich Natur und Kunst so nahe wie in Düsseldorf. Denn in einem abgedunkelten Raum, der zur Ausstellung gehört, sind echte Spinnen , genauer Opuntienspinnen aus der Familie der Radnetzspinnen
am Werk.

Julia Voss in der FAZ, Nr. 212, 12.09.2013, S.32:

“Ein mehrgeschossiges Meisterwerk haben die Opuntienspinnen gewoben, mit Schrägen, Rampen und Verbindungselementen, von denen Architekten und Ingenieure nur träumen können.”

Diese architektonische Meisterleistung der Spinnen ist das Vorbild für Saracenos erkletternder Installation.

Information des Museums:

“Jede einzelne Installation – auch in orbit – ist ein Bestandteil des visionären Großprojektes Air-Port-City von Saraceno, einer schwebenden Stadt der Zukunft. Die Wolkenstadt versteht der Künstler als Verwirklichung eines sozial-utopischen Traums und als Antwort auf die zunehmende Unbewohnbarkeit der Erde, das weltweite Bevölkerungswachstum und die dramatischen ökologischen Probleme.

KUNSTTIPP von GÜNTER VERDIN: Maurizio Cattelan

MAURIZIO CATTELAN

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Eines der bekanntesten Werke von Maurizio Cattellan: “Kaputt”
Pferde gehen mit dem Kopf durch die Wand.

Nicht jeder muss das gefallen ( siehe Rezension unten). Der am 21. September 1960 in Padua und jetzt in New York lebende Künstler Mauruzio Cattelan mischt mit seinen narrativen realistischen Installationen jedenfalls die Kunstwelt auf ( dass seine Werke auf Auktionen Höchstpreise in Millionen-Dollar-Höhe erzielen muss nicht gegen deren Qualität sprechen). Er hat angekündigt, sich aus dem Kunstbetrieb zurückzuziehen. Auch aus diesem Grund ist die aktuelle Ausstellung der Fondation Bayeler in Riehen bei Basel ( bis 6.Oktober 2013) eine gute Gelegenheit zu überprüfen, wie pointiert, wie kritisch, wie erzählerisch Kunst sein darf.

Maurizio Cattelan (* 21. September 1960[1] in Padua) ist ein italienischer Künstler, der in New York lebt20130826-141256.jpg

Maurizio Cattelan; Love Saves Life, 1995 und Love Lasts Forever, 1999

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Der Durchbruch?

Über diesen Künstler lässt sich vortrefflich streiten. Zwei Urteile aus der FAZ:
FAZ, Montag, 26.08.2013. Jegliche Interpretation verweigernder Bericht von Rose-Maria Gropp anlässlich der aktuellen MAURIZIO CATTELLAN-Schau in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel ( bis 6. Oktober):

(….)Und weil es in seinem Universum keine noch so lahme Pointe verboten ist, ließe sich abschließend sagen: Fünf tote Gäule stecken ihre Köpfe in fünf Sommerlöcher. Dass der Geruch ihrer Kadaver noch im Raum hängt, ist der einzige Trost, die einzige Spur von irgendeinem Leben.

FAZ, 28.11.2011. Unter dem Titel “Maurizio, komm bald wieder!” schreibt Nicolaus Schafhausen über die Retrospektive “des Ausnahmekünstlers Maurizio Cattelan” :

Auch wenn Cattelans künstlerische Strategie sich nicht auf das altbewährte Modell der Institutionenkritik im klassischen Sinne, also durch die Befragung des „Warenfetischismus“ von Kunst im Kunstmuseum, zurückführen lässt, untergräbt er dennoch auf Schritt und Tritt die Autorität des Museums und seinen Zwang nach Klassifizierungen. Mit Nancy Spector, der Chefkuratorin des Guggenheim-Museums, die auch die Ausstellung organisiert, hat er die ideale Verbündete an seiner Seite.

MEHR BESUCHER ALS BEI DÜRER: HELNWEIN IN DER ALBERTINA

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Die Wiener Albertina präsentiert Gottfried Helnwein

Gespräche in Grenzen mit GOTTFRIED HELNWEIN (3)

ORIGINAL ODER REPRODUKTION?

“Es gibt Kunstwerke, die bestimmte vibrations vermitteln, eine gewisse Magie, wenn man vor dem Original steht. Ich kann das auch nicht erklären. Mich haben zum Beispiel Kandinsky und Miro nie interessiert, ich bin im Kunstgeschichte-Unterricht mit ihnen belästigt worden. Aber als ich einmal in New York im Museum die Originale gesehen habe, war ich sehr betroffen. Das war schon toll zu sehen, wie die Farbe da oben klebt, die Strukturen, das ist, muss ich zugeben, nicht zu reproduzieren.”

Nehmen wir einen Vergleich, Die unterschiedliche Wirkung beim Betrachten von Original und Reproduktion entspricht der beim Anschauen eines Fotos und dem persönlichen Kennenlernen eines Menschen. Helnwein merkte den Unterschied, als er seine Lieblingsgruppe, die “Rolling Stones”, im Musikstudio kennenlernte: “Ich hatte mich als Jugendlicher total mit den ,Stones’ identifiziert. Dann habe ich sie persönlich in London getroffen und war eine ganze Nacht bei den Proben dabei, das war eine Überraschung. Man glaubt ja gar nicht, dass die dreidimensional existieren. Das ist eine eigene Realität. Und wenn dann so einer vor einem steht, und man kann ihn riechen, und man kann ihn berühren, und dann greift der Keith Richards mit seinen dreckigen Fingernägeln in die Gitarre und spielte einen ‘Hadern’ (Anm. = Ohrwurm, beliebtes Musikstück ) – das war wie Weihnachten, also phantastisch.”

Gottfried Helnwein ist ein Phänomen, an dem auch die großen Museen nicht vorbeikommen. Die Wiener “Albertina” zeigt bis zum 13. Oktober 2013 bereits zum x-ten Mal mit großem Erfolg Helnweins Werk. Fühlt sich der Künstler geehrt, bestätigt?

ZWISCHEN MASSE UND MUSEUM

“Es interessiert mich sowohl die massenhafte Verbreitung wie auch die Ausstellung im Museum. Ich habe offensichtlich einen erweiterten Kunstbegriff und lege großen Wert darauf, dass meine Sachen in verschiedenster Form auf verschiedenen Ebenen präsentiert werden. Ich machte auch gern Werbung für Persil . Und schon setze ich mich wieder der Kritik aus. Man hat mir vorgeworfen, dass die Albertina so voll war, dass ich mehr Besucher hatte als Albert Dürer, von dem es zur gleichen Zeit im Obergeschoss eine Ausstellung gab.”

Mit dem Begriff “Schockmaler” fühlt sich Helnwein keineswegs zutreffend charakterisiert: “Ich enttäusche gerne Erwartungen. Das macht mir Spass. Vieles, was Helnwein sagt und denkt, würde, auf den Literaturmarkt übertragen, wohl auch nur einen Simmel oder Konsalik ergeben.

“Ich habe beide noch nie gelesen, aber ich wollte, ich wäre so wohlhabend wie die beiden. Mir gelingt das nie, weil ich mein Geld immer gleich in Projekte stecke, die manchmal auch unsinnig sind. Ich streite mich zum Beispiel mit meinem Verleger herum, weil ich nicht möchte, dass meine Bildbände mehr als 200 Schilling kosten. Ich bewundere Andy Warhol, dem es bei allem, was er so macht, auch noch gelingt, reich zu sein!”

(DAS GESPRÄCH FÜHRTE GÜNTER VERDIN MIT GOTTFRIED HELNWEIN ENDE DER 1970er JAHRE IN SEINEM ATELIER IN WIEN.)

#GOTTFRIED_HELNWEIN: #WIEN IST DIE HAUPTSTADT DER #INTRIGE

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Gottfried Helwein: Selbstporträt, 1983. Als Plakat und Kunstdruck in verschiedenen Größen vervielfältigt.

>”Da gibt es eine Klasse von Experten, eine Priesterkaste, die das kulturelle Gut verwaltet, die bestimmt was Kunst und was nicht Kunst ist, sie grenzt ab, gibt Impulse, lässt neue Strömungen entstehen, verhindert andere, sie habt eine ungeheure Macht. Das ist nicht weiter schlimm. Das kann auch sehr spannend sein. Es ist eigenartig, daß der direkte Kontakt zwischen Künstler und Publikum fast ausgetrocknet ist, heute macht diese Beziehung einen Umweg über die Experten. Das Vorwort zu einem Katalog schreibt der sogenannte Ausstellungsmacher, der bei weitem wichtiger ist als der Künstler, und von diesen Urteilen hängt schon sehr viel ab. Der Großteil des Publikums traut sich doch gar nicht zu, Kunst zu beurteilen, die meisten haben sich ausgeklinkt. Man schielt auf den Experten, wenn der empfiehlt, dann kauft man. Insofern sind Kritik und Anerkennung sehr, sehr wichtig.”

SEINE KUNST IST EIN MISCHMASCH, SAGT HELNWEIN

Ist Helnwein, der als “Schockmaler” bereits in den Denkschubladen verstaute Seelenergründer, 1985 vor der Wiener Kritik in die Bundesrepublik Deutschland geflüchtet, wo er bis 1997 auf Schloss Burgbrohl residierte?

“Na, überhaupt net. Wien ist ja keine wirkliche große Stadt. Ich habe in den letzten Jahren den Eindruck gehabt, dass ich doch sehr isoliert bin. Es gibt eine einzige große Straße, die in den Westen hinausführt. Ich wollte immer schon auswandern. Als Achtzehnjähriger wollte ich ich nach Amerika gehen, aber das ist mir nie gelungen, weil Wien so eine komische Sogwirkung hat”.

Den typischen Helnwein-Stil bezeichnet der Künstler selbst als “Mischmach”:

“Ich verdanke in dieser Hinsicht Wien sehr viel, weil Wien eben ein Sumpf ist mit einem ganz seltsamen Klima, und da gedeihen eben solche Sumpfblüten, wie ich eine bin. Um sich hier durchsetzen, muss man eine gewisse Intensität und Sturheit entwickeln, man wird dabei etwas eigenartig, ein Freak, aber wenn man gut ist, dann ist man interessant. In Wien muss man sehr stark sein, um bestehen zu können. Wien ist die Hauptstadt der Intrige. Woran das liegt weiß ich nicht, vielleicht daran, dass es hier ungeheuer viele kreative Leute gibt und der Platz zu klein ist. Ich habe nirgends in der Welt , außer in New York vielleicht, einen Platz gesehen, wo so viele, wirklich gute kreative Leute zusammenleben müssen. Und die kämpfen eben auf Leben und Tod. Dazu kommt die Hypothek einer mächtigen Vergangenheit, die überall präsent ist und die Gegenwart zu ersticken droht.”

Helnwein und die Tradition: ein Pantscherl oder ein spannendes Verhältnis? Der Maler, der sich aggressiv und sensibel zugleich mit den Schlagzeilen auseinandersetzt, die das triviale Alltagsleben so schreibt, hat er etwa auch mit uns gelitten, als McDonalds ins wunderschöne Kaffeehaus in der Wiener Mariahilfer Straße eindrang?

“Das war ein sehr schönes Kaffeehaus, muss ich sagen. Jetzt ist es sehr schiach. Das ist allerdings kein Thema, über das ich mich ereifern würde. In der Prioritätenliste steht das sehr weit hinten.”

ICH BIN GEIL AUF VERMARKTUNG

Helnwein, der Maler, der auf viele Hochzeiten tanzt, Titelbilder, Posters, Stickers, Bildbände, ein bißchen viel Vermarktung, teurer Meister!

“Ich bin geil auf Vermarktung! Vermarktung ist absolut super!!! Was mich ärgert sind die Begriffe, die hier abgenutzt werden. Die Leute denken heute noch zu sehr in Begriffen wie lässlicher Sünde und Todsünde. Hoffart ist eine Todsünde. Man soll also immer Bescheidenheit vortäuschen, vortäuschen, man sei am Erfolg nicht interessiert. Es gibt dann noch Beleidigungen, wie: man vermarkte etwas oder sich, das ist was Peinliches. Wenn man jemanden, der mit Kunst zu tun hat, besonders anrühren möchte, dann wirft man ihm vor, er vermarkte sich. Ich betrachte das als Heuchelei! Zum Beispiel: der Kunstmarkt in Köln. Eine Galerie hat dort eine One-Man-Show gemacht mit meinen Sachen, und natürlich war dort der Boden voll mit meinen Posters, es gab Stickers und Buttons, weil ich total auf das steh! Andere Galeristen stellen eben einen Glaskasten aus, in dem sich ein verborgener Draht befindet für 30.000 Mark. Ist ja eh super, soll ja sein, woanders liegen rostige Schienen auf dem Boden, woanders gibt es die Neuen Wilden. Aber es gibt die ungeschriebene Regel: Posters und Buttons verkauft man nicht, das ist nicht elitär, nicht esoterisch genug. Auf dem Kölner Kunstmarkt besuchten mich auch einige Schüler.
Sie haben mich zur Rede gestellt. Warum vermarkten Sie sich? Und ich habe gesagt: Jetzt horcht einmal zu, liebe Kinder, wo befinden wir uns denn im Moment? Richtig. Auf dem KunstMARKT. Das hier also ist ein Markt, und es gilt als entsetzliche Beleidigung, wenn sich einer auf dem Markt vermarktet? Das ist mir zu kompliziert!”

GEGEN DIE EINTEILUNGSMANIE

Angesichts der einer willigen Konsumentenmasse erfolgreich hingebreiteten Produktion stellt sich die Frage nach der Einmaligkeit des Kunstwerkes ebenso zwingend wie angesichts heutiger Riesenauflagen von Lithographien oder auch Plastiken.

Helnwein ist kein Kavalier der hohen Kunstschule. “Ich bin kein Experte, ich muss keine treffenden Worte finden. Für mich soll Kunst überraschend sein, sie muss einen Unterhaltungswert besitzen. Das ist im Moment ja auch verpönt. Aber ich finde diese ganze Apartheid in der Kunst, diese Unterteilung in hohe und triviale Kunst, anachronistisch. In der Musik sind diese Grenzen schon aufgehoben, da vermischen sich Jazz und Rock und Pop und Klassik. Ich finde auch viele Beispiele der sogenannten intellektuellen oder kopflastigen Kunst super. Ich finde
vieles von Beuys sehr gut, ich halte ihn für einen sehr wichtigen Mann in der Bildenden Kunst, aber es wäre eine Katastrophe, wenn er der Maßstab für Kunst wäre. Es wäre auch eine Katastrophe, wenn es nur Comic-Strips geben würde. Das ist besonders im deutschsprachigen Raum so eine Manie: alles einzuteilen und zu reglementieren.
Ich kann den Leuten nur empfehlen, dass sie sich entspannen sollen.”

DAS REPRODUZIERTE BILD IST DAS ENDPRODUKT,NICHT DAS ORIGINAL

Der alte Streit um den Wert von Original und Reproduktion stellt für einen Künstler wie Helnwein, der so total die Herausforderung des Medienzeitalters annimmt, überhaupt kein Problem dar: “Meine Bilder werden schon im Hinblick auf die Reproduktion gemacht. Das reproduzierte Bild stellt für mich das Endprodukt dar, nicht das Original. Ich muss zugeben, dass es Originale gibt, deren Reize in der Reproduktion nicht wiedergegeben werden. Dagegen gibt es auch Reproduktionen, die Reize haben, die das Original nicht hat. Es gibt auch Reproduktionen, die gefallen mir besser als das Original, was aber selten ist.”

Sind denn die Schauer, die unsereins angesichts des Originals eines alten Meisters ergreifen, nur ein psychisches Phänomen, ist diese Ergriffenheit gar Selbstbetrug? “Diese Sucht nacht Religiosität in allen Bereichen ist typisch für die Menschen. Diese Sucht, etwas zu verehren, etwas anzubieten, sieht man ja auch beim Sänger Prince in Amerika oder bei Lady Di.”

WIRD FORTGESETZT

Anmerkung:Der wahre Grund dafür, dass Helnwein 1985 Wien verließ, war, dass ihm die Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste verwehrt worden war. 1997 erwarb er ein Schloss in der irischen Grafschaft Tipperary. Seit 2004 ist Helnwein irischer Staatsbürger.

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An heißen Tagen wie diesen: NACKTE KUNSTSTUDENTEN

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“PROJEKTIONSFLÄCHE FÜR PHANTASIEN”

Die Hamburger Kunststudentin Verena Issel, 27, hat zwölf ihrer männlichen Kommilitonen für ihr Kalenderprojekt “Art Boy 2010” ausgezogen.

Verena Issel antwortet auf die Frage eine Journlisten, ob der Kalender als Masturbationsvorlage gedacht ist:

“Kunst ist theoretisch immer eine Art Masturbationsvorlage – für Sammler wie für alle Betrachter. Und wenn mein Kalender nicht ernst genommen wird, dann habe ich damit auch kein Problem: Das werden viele andere Künstler auch nicht. Ich finde, Kunst darf Spaß machen. Sie kann trotzdem etwas Ernstes oder Weitergehendes transportieren. Das ist für mich eines der Merkmale von Kunst. Aber ich meine das wirklich ernst mit dem Kalender. Für mich ist das eine künstlerische Arbeit. Kunst ist ein Seismograph, der auf die Gegenwart reagieren sollte. Und das tun die Art Boys.”

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In den Bildern gibt es viele Anspielungen auf andere Kunstwerke.
BEISPIEL: der Juni-Boy Michi

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Anspielung auf die Arbeit “Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue” des Malers Barnett Newman (1969/70)

DAS ORIGINAL:

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Barnett Newman. “Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue” .1969/70

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ZU DIESEM THEMA: siehe auch MÄNNER DIE AUF BÄUCHE STARREN und SCHIELE in diesem Blog!

WIE GOTTFRIED HELNWEIN MICK JAGGER MALTE

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Mick Jagger 23×34 Print PORTRAIT by Helnwein 1982 Art & Book

GESPRÄCHE IN GRENZEN (1)
Miteinander sprechen heißt immer auch: Grenzen festsetzen, wie weit ich den anderen zulasse. Jedes Gespräch gelangt zu der dramaturgischen Schnittstelle, an der der Wunsch, sich zu verlautbaren, mit der Furcht vor Selbstentblößung zusammenprallt. “Gespräche in Grenzen” sind keine Interviews, sondern (oft stundenlange) Versuche, sprechend Außen-Ansichten und liebevoll gepflegte Images zu korrigieren.

“Gespräche in Grenzen” sind Protokolle.

Mick Jagger fand das Porträt “scheußlich”, das Gottfried Helnwein von ihm für den “stern” gemalt hatte. Doch Helnwein versteht sich als “Verehrer der Rolling Stones”: “Ich habe Mick Jagger als Gläubiger gemalt. Ich stehe darauf, daß er Falten hat und daß er so verlebt ist. Das Bild war eigentlich als Kompliment gemeint, aber ich habe da keine Kompromisse machen können. Wenn ihm das Porträt nicht gefällt, versteh` ich es auch wieder. Ich weiß, daß er lieber glatt und jung ausschauen würde. Auf dem Titelbild der Zeitschrift “Interview” war er auch drauf, gemalt von irgendwem. Da war er wirklich süß! Also wirklich süß wie ein hübsches Mädchen, das hat ihm kaum mehr ähnlich geschaut, aber er ist nicht der Michael Jackson, der schaut nämlich wirklich so aus, der Mick Jagger aber nicht, und das finde ich eigentlich reizvoll.”

Am Beispiel des Jagger-Konterfeis läßt sich auch erklären, warum Helnwein nicht zu den Fotorealisten gezählt werden darf: er bildet ja nicht nur ab, sondern interpretiert und kommentiert. “Ich bin sicher kein Fotorealist im Sinne der Amerikaner, die anstreben, eine Fotografie zu reproduzieren, das heißt: alle Charakteristika eines Fotos auch im Bild zu haben. Daher ist das immer sehr originell, wenn man sich die Kataloge kauft, weil die Bilder durch den Druck und durch die Verkleinerung so ausschauen wie das Farbfoto, von dem der Künstler ausgegangen ist. Ich verwende als Hilfsmittel Schwarzweißfotos, aber ich arbeite dann sehr subjektiv und lebe alles aus, was ich im Augenblick empfinde oder für wichtig halte.”

Die Vorarbeiten zum Jagger-Bild haben lägere Zeit in Anspruch genommen, die Ausfertigung des Bildes einige Tage: “Ich arbeite sehr konzentriert. Ich fange um acht in der Früh an und arbeite bis Mitternacht, manchmal auch einige Nächte durch, total konzentriert, da fällt man in einen richtigen Rauschzustand. Die Musik drehe ich ganz laut, vorwiegend, Stones, oder Captain Beefheart oder Bruce
Springsteen. Ich bin überhaupt nicht diszipliniert. Wenn es zu lange dauern würde, hätte ich bald kein Interesse mehr am Objekt. ”

Den schöpferischen Prozess schildert er drastisch: “Ich sperre mich ein und arbeite wie eine Wildsau! Ein Anflug von Selbstkritik? Ich bin nicht sehr selbstkritisch. Weil das nur hemmt. Außerdem habe ich lange genug mein Leben in Wien verbracht und da kam dermaßen viel Kritik, in allen Varianten, auch sehr gehässig, so daß ich es nicht nötig hatte, auch noch selbstkritisch zu sein. Wenn man in Wien überleben will, muß man künstlerisch sehr gut werden. Ich glaube, wenn man es in Wien schafft, dann schafft man es überall.

Wien ist wie mit einer Bleiweste trainieren, alles nachher erscheint ungeheuer leicht. Ich steh ja auf Kritik. Für mich ist Malerei eine Form der Kommunikation, mit der man bei Menschen etwas auslösen kann. Ich male nicht für mich, nicht als Therapie, ich male immer nur für jemanden. Ich stelle mir immer irgendwelche Menschen vor und meine die auch damit. Ich verwende auch gnaden- und skrupellos die Klischees, die ich in der Umwelt finde.”

Das Original von Mick Jagger hat irgendwann einmal jemand gekauft. Über den Verkaufspreis spricht Helnwein nicht.

Von vielen Kritikern wird die Breitenwirkung des Helnwein-Oeuvres äußerst skeptisch beurteilt. Für ihn selbst, den “Rasierklingen-Rembrandt”, wie ihn eine amerikanisches Magazin bezeichnete, ist der Kunstmarkt ein “Monstrum”: “Da gibt es eine Klasse von Experten, eine Priesterkaste, die das kulturelle Gut verwaltet, die bestimmt was Kunst und was nicht Kunst ist.”

DAS GESPRÄCH WURDE VON GÜNTER VERDIN IN DEN 1970er JAHREN GEFÜHRT.

24. JULI bis OKTOBER 2013
Albertina Museum Wien
HELNWEIN RETROSPEKTIVE IN DER ALBERTINA IN WIEN
Die Albertina widmet Gottfried Helnwein eine umfangreiche Retrospektive, die alle Stationen seines bisherigen Werdegangs abbildet. Helnwein, einer der bekanntesten österreichischen Künstler der Gegenwart, wurde durch seine hyperrealistischen Bilder von Kindern berühmt. Die Auseinandersetzung mit den Themen Gewalt und Schmerz in seinen Arbeiten sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen.

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