STERNSTUNDEN DER MENSCHHEIT: das konnte Stefan Zweig nicht ahnen

Das SWR FERNSEHEN würdigt einen der besten Kabarettisten der Bundesrepublik: so komödiantisch und zugleich bissig und messerscharf satirisch wie er sind nur wenige der Kollegen. Regisseur Thomas Schadt begleitete den Künstler 2013 durch sein vielschichtiges Berufsleben. Er war mit auf der Tournee “Der Richling Code”, bei Richlings Valentin-Abend am Renitenz-Theater in Stuttgart und er beobachtete den Kabarettisten während verschiedener Studioproduktionen des SWR. Dabei gelangen Schadt eindringliche Beobachtungen aus nächster Nähe, die dokumentieren, wie vielschichtig, kreativ und überaus diszipliniert der sensible und intelligente Künstler arbeitet. Reflektiert und kommentiert wird dieses Schaffen durch Mathias Richling selbst. So entstand das erste umfassende Filmporträt über Mathias Richling.
SWR FERNSEHEN, Mittwoch, 4. Juni 2014, 22 Uhr

Und damit nicht genug : nach dieser Sternstunde des Fernseh-Porträts Richling in voller Aktion auf der Bühne in seinem von Publikum und Presse einhellig bejubelten Programm “DER RICHLING CODE”.
Auch hier kam es wieder zur Zusammenarbeit von Bühnenregisseur Günter Verdin mit dem TV- Inszenator Michael Maschke. Prüfen Sie selbst, ob sich das Ergebnis sehen lassen kann!
Wir wünschen kräftiges Gedankenflattern!

PRESSESTIMMEN zu „DER RICHLING-CODE“:
Er beobachtet gerne Menschen und die Politik und versucht so, den politischen Menschen zu ergründen: Kabarettist und Satiriker Mathias Richling lebt vom Sinn und Unsinn der Politik. Auch in seiner neuen Show „Der Richling Code“ hat Richling sich mit Themen wie Gentechnik, Umwelt-Desaster und der Bankenkrise beschäftigt. Dabei schlüpft Richling wie gewohnt in die Rollen verschiedener Persönlichkeiten, um so das Widersprüchliche zu parodieren. TV BERLIN

Markenzeichen des gebürtigen Baden-Württembergers ist die große Geschwindigkeit seines Programms – die Pointen kommen Schlag auf Schlag.
BERLINER ZEITUNG

Eigentlich könnte Mathias Richling mit den omnipräsenten, herrlich polarisierenden Promis Thilo Sarrazin und Jörg Kachelmann wunderbar von der desaströsen Politik im Lande ablenken. Doch als Schwabe geht er mit dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 lieber gleich in die Vollen. Er findet, der Bahnhof sollte oben ruhig weiter wachsen dürfen, Stuttgart gehört hingegen unter die Erde. In den Wühlmäusen präsentiert er zur Zeit sein neues Programm „Der Richling Code“, eine aktuelle politische Momentaufnahme, inszeniert von Regisseur Günter Verdin als mediales Talkshow-Theater am bundesdeutschen Abendmahl-Tisch unter der Ägide des bewährten dreiknöpfigen Jacketts von Angela Merkel. Richling schlüpft selbstredend in alle Rollen der anwesenden Politiker-Runde, von Pofalla bis Bosbach…… Genial ist Richlings Raucher, besser bekannt als Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mit wüsten Gedankensprüngen Nichtraucher zu unverbesserlichen Antisemiten abstempelt und gegen eine Mauer in den Lungen der Menschen wettert.

BERLINER MORGENPOST

Bissig, aber so lustig – da würden auch Politiker lachen.

BERLINER KURIER

Immer wieder Verdrehungen und absurde Logeleien, vorgetragen in oft wahnwitzigem Tempo und dabei trotzdem, weil diese Sprachakrobatik keine Schluderei erträgt, sehr präzise.

STUTTGARTER ZEITUNG

…….einer der erfolgreichsten deutschen Kabarettisten….

HAMBURGER ABENDBLATT

Mathias Richling gehört zu den wenigen Kabarettisten, die nicht etwa auf Mikro, Barhocker oder weitere wenige Requisiten, sondern auf ein ausgefeiltes Bühnenbild setzen. Diesmal thront Angela Merkel in Form eines roten Blazers in der Mitte. Ihre politischen Jünger sitzen – vertreten durch Namensschilder – an einer schwarz-rot-goldenen Abendmahl-Tafel. Regie führt wie immer Günter Verdin.

WESTDEUTSCHE ZEITUNG

Atemberaubend, wie authentisch nicht nur Dialekt und Sprechweise, sondern auch Gestik und Mimik die karikierten Personen trafen. Beeindruckend die Wortgewandtheit und Schnelligkeit, mit der Gedanken- und Themensprünge vollzogen wurden…Begeisterungsstürme … minutenlanger Applaus.

MAIN.SPITZE

Kein zweiter deutscher Kabarettist setzt seinem Publikum ähnlich anspruchsolle Texte vor, die er – immer in Bewegung – unter der Regie von Günter Verdin mit punktgenau gesetzter Mimik und Gestik serviert.
DIBURGER ANZEIGER

Deutsche Castingshows: Heulen und Zähneknirschen

Deutsche Castingshows: Heulen und Zähneknirschen

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Mittlerweile hat es der dümmste Kandidat und die geistig unbefleckteste Teilnehmerin geschnallt: ohne eine bewegende Biografie und große Emotionen ist der Konsument von Casting Shows wie ” Deutschland sucht den Superstar” und “Germany’s next Topmodel” nicht zwecks Voting ans Handy zu bewegen. Und wenn die Mädels und Jungs in den Shows ausnahmsweise nicht heulen – vor Glück, oder vor Selbstmitleid- dann wässern die Augen der Juroren nach: die etwas naiv rüberkommende Sängerin Mieze Katz bei DSDS und die abwechselnd vor kindlicher Freude überströmende, dann sich in Ergriffenheit verströmende Lena bei “The Voice Kids” lassen den Tränen gerne freien Lauf. Den Rekord an hysterischen, nur mehr abstoßenden Heul-Einlagen hält aber die am Donnerstagabend mit einem sehr flauen Finale zu Ende gewürgte Heidi-Klum-Show: wenn die Mädels in ihren von den Kameras gnadenlos protokollierten Selbstbewertungen schon keinen vernünftigen Satz rausbekommen und ihre ungeschulten Stimmen genauso nerven wie die von Heidi Klum, Weinen hilft allemal, zum Beispiel wenn es ums Haareschneiden geht oder ganz einfach um Mobbing. Diese Heulsusen wollen uns auf internationalen Laufstegen beglücken? Zurück in den Kindergarten bitte!

Wenn nicht alles täuscht werden wir morgen, Samstag, beim Eurovisions Contest den nächsten spektakulären Heulkrampf erleben: dann nämlich, wenn sich die österreichische One Man-One Woman-Show mit dem lyrischen Namen Choncita Wurst über den heute noch von vielen für möglich gehaltenen Sieg so freuen wird, dass sich der Damenbart kräuseln und die Kunstwimpern im Salzwasser ertrinken werden. Das Heulen und Zähneknirschen hat dann aber nur vorübergehend ein Ende: schon werden KandidatInnen für die nächsten Staffeln gesucht.

WENN IHR HINTERN GOLD KÜSST

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Das Toilettenpapier aus 22Karat Gold entwickelte die australische Firma “Toilet Paper Man”. Sie bietet das Luxusprodukt über das Internet zu einem Preis von 1.376.900 US-Dollar pro Rolle an. Auf der Website der Firma wird das Papier folgendermaßen beschrieben: “Dies ist das teuerste Toilettenpapier der Welt. Bei der Nutzung fallen Goldflocken auf den Boden und in die Schüssel. Das bringt Sie auf eine neue Ebene des Genusses.”

Ein Vertreter der Firma sagte, dass die Hotels in Dubai als Inspiration dienten. Dort gibt es stille Örtchen mit goldenen Brillen und Knöpfen. Bisher sei erst eine Rolle produziert worden. Die Firma werde das Produkt persönlich vorbeibringen und dazu noch eine Flasche Champagner beilegen. Allerdings habe bisher noch niemand die Rolle gekauft.

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Wenn das kein Schnäppchen ist: 10 Rollen weißes, 6-lagiges Toilettenpapier mit unterschiedlichen Prägungen (Rose, Krone, MAX) in Gold oder Silber und Plexiglaskern in der Mitte zum Preis von 225 €.

Jede Rolle ist einzeln verpackt in einer exklusiven Designdose und dadurch schon ein innovatives Designobjekt. Das mit mit einem Hauch Jojoba-Lotion veredelte Tissue besteht aus sechs Lagen feinstem Zellstoff und ist dadurch besonders weich und hautfreundlich.

MENSCHEN UND SCHWEINE

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“DER SPIEGEL” berichtet in seiner jüngsten Ausgabe (10/3. März 2014) über britische Geoforensiker, die beim Aufspüren von vergrabenen Mordopfern helfen, und zitiert unter anderem Jamie Pringle von der Keele University:

Biologisch betrachtet seien sich Menschen und Schweine sehr ähnlich, sagt Pringle. Beide hätten ein vergleichbares Fett-Muskel-Verhältnis und eine vergleichbare Struktur der Haut. Allerdings würden Schweine schneller verwesen, weil sie sich gesünder ernährten, so Pringle. “Der Mensch isst zuviel Mist, das konserviert.”

Schau Dir das #Feuerwerk an, welches ich durch mein Bloggen auf #WordPressDotCom kreiert habe. 2013 Jahresbericht:

FOTO DES MONATS MÄRZ 2014: gewissenhafte Deklaration

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Fotografiert von Starkoch Frank Rosin

SO WIRD DEUTSCHES FERNSEHEN KRANKGESCHRIEBEN

Von: http://www.verdinguenter.blogspot.com

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Der Hirscheflüsterer aus Vorarlberg

Markus Lanz soll wieder einmal an allem schuld sein? Das Medien-Portal QUOTENMETER schreibt:

«Wetten, dass…? » stürzt sogar unter sechs Millionen
Oh weh: Für die am Samstag gesendete Ausgabe von «Wetten, dass…?» setzte es trotz weniger Konkurrenz neue Tiefstwerte. Nur beim jungen Publikum lief es diesmal etwas besser. Olympia holte tagsüber deutlich bessere Quoten.

Quo vadis, «Wetten, dass…?»: Der einstige Klassiker will auch im zweiten Jahr mit Markus Lanz nicht in die Spur finden. …….Schon seit der März-Ausgabe 2013 gelang es keiner Folge mehr als sieben Millionen Zuschauer anzusprechen. Erst die jüngste Ausgabe vom Januar krachte – in direkter Konkurrenz zum Dschungelcamp – mit 6,31 Millionen Zuschauern und 19,4 Prozent auf die schlechtesten Ergebnisse aller Zeiten.

An diesem Samstag wurden jene Tiefstwerte aber schon wieder unterboten. Mit nur noch 5,85 Millionen Zuschauern gingen für die Show aus Düsseldorf 19,3 Prozent am Gesamtmarkt ein. Noch nie in seiner Geschichte hat «Wetten, dass..?» mit einer seiner Folgen weniger als sechs Millionen Zuschauer erreicht. Gegenüber der letzten Ausgabe bedeutete dies ein Minus von 0,46 Millionen Zuschauern bzw. 0,1 Prozentpunkten. ”

Halten wir uns an die Fakten und nicht an die ohnedies höchst fragliche Quoten-Anbeterei: “Wetten, dass…?” hat der Relaunch gutgetan. Die Wetten waren originell und spannend. Da war der drollige siebenjährige Breakdancer, der mit sogenannten Worms ( wurmartige Wellenbewegung in Bauchlage) fünfzig Luftballons zum Platzen brachte. Oder der kantige Vorarlberger, der anhand von Geweihen, die männliche Rothirsche einmal im Jahr abwerfen, ihre Träger erkannte.
Und wer objektiv ist muss zugeben, dass Markus Lanz als Moderator von Mal zu Mal besser wird. Er ist kein Thomas Gottschalk, aber Thomas Gottschalk war in seiner letzten “Wetten dass…”-Zeit auch nicht mehr Thomas Gottschalk.
Dass Gottschalk die angejährte Wetten-Show aus dem Quotentief holen könnte, darf bezweifelt werden.

QUOTENMETER titelt:

Gottschalk wird zum Sorgenkind von RTL. Und weiter:

“Mit soliden 16,5 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe war «Back to School – Gottschalks großes Klassentreffen» vor drei Wochen am Freitagabend bei RTL gestartet. Von diesem Auftaktwert hat sich die i&u-Produktion mittlerweile deutlich entfernt; und es darf durchaus in Frage gestellt werden, ob das Format über die insgesamt vier geplanten Ausgaben hinaus fortgesetzt werden wird.

In Woche drei jedenfalls wurde die Quote bei den 14- bis 49-Jährigen noch einmal minimal verringert. So ging es von 12,1 auf 11,4 Prozent runter. 1,27 Millionen aus dieser Altersklasse sahen zur besten Sendezeit zu. ”

Und die von den Print-Medien aus unbegreiflichen Gründen stark hofierten , irgendwie dauerbekifft wirkenden “Circus HalliGalli”-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die am Samstagabend zu Gast bei Markus Lanz waren und am 24. Februar auf Pro Sieben eine neue Staffel starten?

QUOTENMETER schreibt über die beiden:

“Zuletzt präsentierte man am 30. Dezember zur gewohnten Sendezeit um 22:10 Uhr einen zweistündigen Jahresrückblick, der allerdings mit nur 4,9 Prozent aller und 10,2 Prozent der werberelevanten Zuschauer kein allzu breites Interesse hervorrief.”

Wäre dann noch der Ich-mach- alles-Entertainer Stefan Raab.

QUOTENMETER schreibt:

“2.000 Folgen «TV total»: Kommt der lahmende Gaul nochmal auf Trab?
Seit fast 15 Jahren läuft die Comedyshow nun bereits auf ProSieben – mit klar erkennbaren Verschleißerscheinungen hinsichtlich Quote und Qualität.”

SO WIRD DEUTSCHES FERNSEHEN KRANKGESCHRIEBEN! UND ALLE SCHREIBEN ( VONEINANDER) AB.

ALARM FÜR COBRA 11: Das ist der Neue!

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Eigentlich unvorstellbar, dass “Alarm für Cobra 11” ohne Tom Beck fortgesetzt wird, der mit Erdogan Atalay das ideale Ermittler-Team in der lustigsten deutschen Action-Produktion gebildet hat. Tom Beck konzentriert sich nun auf seine Musikkarriere. Und so kommt der Neue ins: VINZENZ KIEFER.

Ab dem 27. März 2014 sind in RTL auf dem gewohnten Sendeplatz, Donnerstag um 20.15 Uhr, die neuen , zunächst acht, Folgen zu sehen. Erstmals erzählt «Alarm für Cobra 11» eine durchgehende Geschichte, die Kommissar Semir Gerkhan in den Mittelpunkt stellt. Seine Frau Andrea hat sich von ihm getrennt – und das macht dem Ermittler gewaltig zu schaffen.

Die Pressemitteilung von RTL: “Die Cobra wird erwachsen” lässt das Schlimmste vermuten, denn die kindliche Freude an Automaterialschlachten und pyrotechnischen Effekten hat bisher den Charme und den Riesenerfolg der Serie nicht nur in Deutschland ausgemacht.

WER IST DER NEUE?

Vinzenz Kiefer, geboren am 29. Januar 1979 im hessischen Weilburg wurde 1997 für die RTL-Serie ” Unter uns” entdeckt.Erst später nahm er Schauspielunterricht. 2004 wurde er mit dem Günter-Strack-Fernsehpreis als bester Nachwuchsdarsteller u. a. für den ARD-“Tatort: Im Visier” ausgezeichnet.

2008 wurde Kiefer als Terrorist Peter Jürgen Boock in Uli Edels RAF-Film “Der Baader Meinhof Komplex” und als Matrose George Leach in der zweiteiligen TV-Neuverfilmung “Der Seewolf” einem breiten Publikum bekannt. Im Sommer 2013 stand Kiefer in einer Neuinszenierung von „Hebbels Nibelungen – born to die“ bei den Nibelungenfestspielen in Worms in einer Hauptrolle als Siegfried unter der Regie von Dieter Wedel auf der Bühne.

Privates: Vinzenz Kiefers Vater war Katholischer Pfarrer, seine Mutter war Gospelsängerin. Er ist mit seiner Schauspiel-Kollegin Josefine Preuß liiert und lebt in Berlin.

DAS KINO VERGÖTTERT DAS GEHEIMNIS DER BEWEGUNG. Literatur und Film

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Shooting the MGM logo, 1924

Wie die Filmtechnik literarisches Schaffen beeinflusst und umgekehrt – Schriftsteller arbeiten wie Kameramänner

Von Günter Verdin

Immer wenn Literaturkritiker bedeuten wollen, dass ein Roman besonders „modern“ sei, dann verweisen sie auf die raffinierte Montagetechnik und das „filmische Schreiben“ des Autors. Tatsache ist, dass auffallend viele zur Zeit erfolgreiche Schriftsteller filmisch erzählen, sich also wie die Kameramänner ihrer Leser verhalten und zur Darstellung von Handlungen erzählerische Gleichzeitigkeit herstellen durch die Montage verschiedener Szenen, welche wiederum aus unterschiedlichen (Kamera-) Positionen gesehen werden, wobei die Protagonisten der Geschichte auch schon mal herange-„zoomt“ werden.

Isabel Allende ist eine solche Autorin. Ihr „Geisterhaus“ ist eigentlich ein fertiges Filmdrehbuch. Der argentinische Schriftsteller Manuel Puig (+1990) war vielleicht der typischste Vertreter dieser Richtung: Sein Roman „Der Kuss der Spinnenfrau“ (äusserst erfolgreich als Bühnenstück und Film, auch als Musical, obgleich es den literarischen Qualitäten seiner Vorlage kaum gerecht wird) ist bereits als reiner Dialog (mit monologischen Einblendungen) angelegt, die einzelnen Kapitel sind durch die Anlage des Textes sozusagen ein- und ausgeblendet: zum Beispiel Ende des dritten Kapitels:

-Wer ist Gabriel?

-Der Kellner, es ist mir rausgerutscht.

-Schön, also bis morgen.

-Bis morgen.

-So geht es im Leben; ich werde nicht schlafen können und an deinen Freund denken müssen.

-Morgen sagst du mir, was du von ihm hältst.

-Bis morgen.

Der Film als Wirklichkeitserfahrung, oder besser: als Illusion von Realität, spielt auch in den anderen Romanen von Puig eine zentrale Rolle. Sowohl in „Verraten von Rita Hayworth“ (1968) als auch in „Die Engel von Hollywood“ (1979) arbeitet Puig mit dem bereits geschilderten filmischen Mitteln. „Verraten von Rita Hayworth“ hatte Puig vom Drehbuch in einen Roman umgearbeitet, nachdem ihm die Erkenntnis gekommen war, dass „der Film nicht auszudrücken vermag“, was sich im Roman sagen lässt“.

Die Lust, eine andere Technik zu verwenden

Pier Paolo Pasolini schildert in seinem 1966 veröffentlichen Essay „Das Ende der Avantgarde“ das umgekehrte Schlüsselerlebnis: „Kurz gesagt: das Gefühl, mit der Technik des Romans nicht mehr schreiben zu können, hatte sich mir – durch eine Art unbewusste Selbsttherapie – sogleich in die Lust verwandelt, eine andere Technik zu verwenden, nämlich die des Films. Wichtig war mir, weder untätig zu verharren noch negativ tätig zu werden. Zwischen meinem Verzicht auf den Roman und meiner Entscheidung für das Kino gab es keinen Bruch in der Kontinuität. Ich nahm es wie einen Wechsel der Technik.“ Pasolini, der in einem anderen Essay („Lebendige Zeichen und tote Dichter“; 1967) das Kino in der Praxis „wie ein Leben nach dem Tod“ empfindet, vergleicht das Verfahren der Montage mit der „Wahl, die der Tod vornimmt, wenn er Handlungen aus dem Leben herausgreift und sie außerhalb der Zeit ansiedelt.”
Das ist ein schönes Bild, in welchem sowohl die Montage im Film als in sich geschlossene Schnittsequenz wie auch die in der Literatur durch Zusammenfügung stilistisch und inhaltlich unterschiedlicher Teile dargestellt ist.

So aufregend modern ist die Anwendung filmtechnischer Mittel in der Literatur allerdings nicht. Zunächst sollten wir daran erinnern, dass es der Film war, der literarische Strukturen nachahmte. Diese Literarisierung des Films setzt etwa 1907 ein.

In den USA war D. W. Griffith der Pionier des narrativen Films, in Frankreich schrieben Schriftsteller wie Anatol France und Edmond Rostand Filmszenarios, in Italien verfasste Gabriele D’Annunzio das Drehbuch für „Cabiria“, und in Deutschland machte man bald die Erfahrung, dass Filme auch an ihren literarischen Vorlagen scheitern können, wie etwa „Das fremde Mädchen“ nach einem Buch von Hugo von Hofmannstahl (Regie: Mauritz Stiller; 1913) oder Arthur Schnitzlers „Liebelei“ (Regie: Holger Madsen; 1913).

Hofmannsthal sah im Medium Film neue Gestaltungsmöglichkeiten. In dem Essay „Ersatz für die Träume“ (1921) schrieb er: „Mir aber scheint die Atmosphäre des Kinos die einzige Atmosphäre, in welcher die Menschen unserer Zeit – diejenigen, welche die Masse bilden – zu einem ungeheuren, wenn auch wunderlich zugerichteten geistigen Erbe, in ein ganz unmittelbares, ganz hemmungsloses Verhältnis treten, Leben zu Leben, und der vollgepfropfte halbdunkle Raum mit den vorbeifließenden Bildern ist mir, ich kann es nicht anders sagen, beinahe ehrwürdig, als die Stätte, wo die Seelen in einem dunklen Selbsterhaltungsdrang hineinflüchten, von der Ziffer zur Vision.” (Der ganze Text ist in diesem Blog nachzulesen!)

Das Kino hat das Geheimnis der Bewegung vergöttert

Durch seine Literarisierung gelangte der Film schließlich zu ganz selbständiger Ausdrucksweise, welche wiederum von experimentierfreudigen Literaten bewusst übernommen wurde. Schon Leo Tolstoi formulierte 1908 in einem Interview seine Ahnungen: „Wir werden uns an die Leinwand mit ihren Schatten und die kalte Maschine anpassen müssen. (…) Aber ich mag das. Dieser schnelle Szenenwechsel, dieses Ineinander von Gefühl und Erfahrung – das ist viel besser als die schwerfällige und langwierige Art zu schreiben, an die wir gewöhnt sind. Das ist lebensnäher. Auch im Leben vollziehen sich Wechsel und Übergänge blitzartig vor unseren Augen, und die Gefühle sind wie ein Wirbelsturm. Das Kino hat das Geheimnis der Bewegung vergöttert. Und das ist etwas Großartiges.“

Autoren, die filmisch schreiben

Als Musterbeispiel für kinematographische Erzählweise gelten der “Ulyses“ von James Joyce und „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos. Joyce leitete im Winter 1909/10 in Dublin das Kino „Volta Theatre“. Obwohl ihm ein Augenleiden zu schaffen machte, welches längeres, konzentriertes Zusehen erschwerte, ist der Einfluss von Film „als vollkommenster Repräsentant einer Kunst ununterbrochener Dynamik“ (Sergej Einstein) auffallend. Bert Brecht brachte das 1930 auf folgenden Nenner: „Der Filmsehende liest Erzählungen anders. Aber auch der Erzählungen schreibt, ist seinerseits ein Filmsehender.“

Wie sehr die Literaturschaffenden dieses Jahrhunderts vom Medium Film beeinflusst wurden, lässt sich auch am Beispiel der französischen Avantgarde, vor allem an Jean Genet belegen. Genet kam bereits als Kind mit Film in Berührung. Joseph Bruley, eine seiner Mitschüler, berichtet: „Es war in der Kriegszeit, die für uns gar nicht so düster war. Oft kamen Schausteller durch Alligny. So sahen wir auch unsere ersten Filme. Eine Truppe stellte für über einen Monat ihr Zelt auf dem Marktplatz auf und zeigte jeden Tag andere Filme. Jeder ging mindestens zwei- oder dreimal hin.“ Der Genet-Biograph Edmund White notiert: „Und die Filme führten den jungen Genet nicht nur in die Romantik einer idealen Lebensart ein, sie deuteten auch neue Möglichkeiten an, Zeit und Struktur wahrzunehmen.
Wie jeder andere französische Schriftsteller seines Jahrhunderts lernte Genet filmisch zu schreiben. Seine Bücher arbeiten mit der Montage, sie zeigen Bilder, die nicht statisch sondern ständig in Bewegung sind, und sie leiten den Charakter aus der Gebärde, die Moral aus dem Kostüm, die Stimmung aus der Beleuchtung ab. Mit Rückblenden, Vorausblenden, unterbrochenen Sequenzen, Sequenzwiederholungen, Ausblendungen, harten Schnitten und natürlich der Montage wendet Genet auf den Roman das ganze Vokabular filmischer Techniken an – und tut es, um uns zu verunsichern. Dieses perzeptionelle Schwindelgefühl beruht auf seinem lebenslangen Studium von Filmen.“

Gerhard Zwerenz ist ein Sonderfall

Genet hat auch Drehbücher geschrieben und selbst Filme gedreht. Edmund White kommt zu der Erkenntnis: „Die Filme, die auf seinen Büchern basieren, funktionieren nicht: die Brüche werden betont, da es ihnen nicht gelingt, eine visuelle Entsprechung zu Genets Wortgewalt zu finden. Eine einzige Ausnahme bildet Fassbinders Film ‘Querelle’, der optisch so künstlich und aggressiv ist wie Genets Prosa.“

Mit Fassbinder, Peter Handke und Herbert Achternbusch kennt auch die deutsche Nachkriegsliteratur das Phänomen der Autorenfilmer. Der Begriff Autorenfilm schillert vielsagend, in diesem Fall meint er die Verbindung von Literaten und Filmproduzierendem.

Unser Thema der gegenseitigen Beeinflussung von Dichtkunst und Film beginnt sozusagen zu rotieren, wenn wir uns abschließend noch dem Sonderfall Gerhard Zwerenz zuwenden. Noch während der Dreharbeiten zu Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ schrieb Zwerenz einen Roman, indem er das Drehbuch, fertige Filmteile und schließlich die endgültige Filmfassung als Vorlage verwendete. Zwerenz sieht sein Werk als nacherzählende, detailgetreue Romanreportage. Hier aber erschöpft sich (und uns) das Thema, denn bei der Frage, ob das Huhn (filmisches Schreiben) oder das Ei (literarischer Film) zuerst da war, kommen wir jäh zur Erkenntnis, dass sich die Katze selbst in den Schwanz zu beißen beliebt…..

ERINNERUNG AN MARIA UND MAXIMILIAN SCHELL:”Meine Schwester Maria”

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Von Günter Verdin

Dieser Bericht ist am 5. Januar 2011 in diesem Blog erschienen

Die Nachwelt – zumindest die österreichische – flicht dem Mimen doch noch Kränze. Am 15. Jänner wäre Maria Schell 85 Jahre alt geworden. ORF 2 eröffnete am Sonntag – zu mitternächtlicher Stunde – den Geburtstagsreigen mit Maximilian Schells Hommage „Meine Schwester Maria“, ein 2002 entstandener Film über das Erinnern und Verabschieden. Bei der Premiere dieser aus auf der Kärntner Familienalm nachgestellten Szenen , Spielfilmsequenzen und Interviewpassagen mit der dementen Schauspielerin montierten Dokumentation hat sich Maria Schell von der Öffentlichkeit verabschiedet. Drei Jahre später, am 26.April 2005 starb sie.
Maximilian Schells Motiv für diesen höchst intimen Film war, dem Voyeurismus der Sensationspresse, die sich Fotos von der kranken Schauspielerin erschlichen hatte, ein Bild entgegenzustellen, das das Leid der Demenz nicht beschönigt, aber die in ihrer eigenen Erinnerungs-Welt lebende Künstlerin nicht ihrer Würde beraubt. Maria Schell hat bei diesem Porträt ganz bewusst „mitgespielt“: mit ihren hellwachen Augen verfolgte sie die sprachlichen Annäherungsversuche ihres Bruders aus milder und teilweise zart ironischer Distanz. „Paradise Now“ sagte die Schell immer wieder und meinte damit, dass in ihrer Wirklichkeit Millionenschulden und Zwangsversteigerungen keine Bedeutung mehr hatten. Maximilian Schells Film ist in all seiner Motivverflechtung letztlich der wunderbar gelungene Versuch, mit subtilen künstlerischen Mitteln Teilchen aus dem Gedächtnis-Puzzle zusammenzufügen, in dem es keine Grenzen zwischen Realität und Kunstwelt gab.

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